Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 14 (1858)
- Issue
- 4-6 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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85 zur jüdischen Vergangenheit und Gegenwart ihn —den Ehrenmann — abhalten, ein edler männlicher Stolz muß eine unübersteigliche Schranke für ihn bilden gegen den Austritt aus dem Judenthume, so lange diesem nicht die volle und ungeschmälerte bürgerliche Gleichstellung und Ebenbürtigkeit thatsächlich gewährt wird!" Das ist doch klar gesprochen. Nur können wir nicht reimen, wie Jemand ein „Ehrenmann sein und doch keine „Gewissensrücksichten" haben kann. In „der herrlichen lebensfrischen Entwickelung des gegenwärtigen JudenthumS" kann man aber alle „Gewissensrücksichten" bei Seite legen, und doch ein „Ehrenmann" sein, doch dabei sich eines „würdigen Thuns," der „Kraft des Charakters," der „Ehrenhaftigkeit des Wandels" rühmen. Ein solcher Standpunkt ist uns in der That zu hoch! Wenn man nur einen „edlen männlichen Stolz" behält, der stempelt zum „Ehrenmann," nicht Gewissenhaftigkeit! Die angeführten Worte sollen dann doch und können nichts Anderes besagen als: Wir fragen nicht darnach, was Wahrheit, was Gewissen ist, nicht was Judenthum, und was Christenthum ist, sondern Stolz und Trotz muß uns, wenn wir Ehrenmänner sein wollen, abhalten, unser Judenthum jetzt zu verlassen; wenn wir erst volle Emancipation erlangt haben, dann kann ein Jeder thun und lassen, was er will. So lange uns aber diese nicht gewährt ist, bleibt es Verrath unserer Sache, wenn Jemand sich dem Christenthum zuwendet, sich also zu unfern Feinden schlägt und nicht mit uns gemeinschaftlich gegen sie kämpft, bis wir den Sieg errungen haben und uns das uns gebührende Recht „voller und ungeschmälerter Gleichstellung" nicht länger vorenthalten werden kann. Was doch der Gedanke „Emancipation" nicht Alles vermag! Allerdings konnten nun auch alle diejenigen, die „in unfern und vergangenen Tagen dem Judenthume untreu geworden sind und sich dem Christenthum zugewendet haben," keine „Ehrenmänner" von solchem „edlen männlichen Stolz" sein. All diesen Uebertritten, die bis zur Herausgabe des „a»>fgefundenen Briefwechsels" geschahen, lagen, wie vr. G. sagt, „offen und leicht zu erkennende Motive" zu Grunde, nämlich entweder „das Verlangen, eine Laufbahn einzuschlagen, welche dem Juden versagt ist," oder „die Eitelkeit, Standeserhöhung, Titel, geselliger Umgang." Das