Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 14 (1858)
- Issue
- 4-6 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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84 sie dem Judenthume untreu werden!? Oder hat nur er als Rabbiner ein Privilegium, sich jede Untreue gegen daS Judenthum zu erlauben, wie die Weisen des Talmuds sich auch so manche Dinge erlaubten , um medicinischer Kenntnisse willen, wie sie sagten, das sich aber Andere nicht herausnehmen dürfen? Das wohl nicht, man ist so tolerant, daß man jede Untreue der Art einem Jeden gestattet; nur nicht die Untreue, daß Einer zum Christenthum Übertritt. Mag ein Jude denken, reden, leben, handeln, wie er will, mag er die Synagoge besuchen oder nicht, Sabbath halten oder nicht, an das Dasein eines Gottes glauben oder nicht, die Bibel achten oder verachten, MoseS und die Propheten für Betrüger oder für Dummköpfe, oder für Schwärmer halten, Jesum Christum lästern oder als großen Weltweisen, als Reformator preisen, ja sogar als Taufpathe, fei cs auch bei dem Kinde eines befreundeten Pfarrers, —fungiren, das ist Alles, Alles einerlei und von keiner Bedeutung, darin ist keine Untreue, keine Treulosigkeit : nur nicht Christ werden; der öffentliche Uebertritt zum Christenthume, das ist und bleibt das Verbrechen, das gebrandmarkt werden muß. Dr. G. sagt S. 20 u. 21, daß der ^.Ehrenmann die Pforten seines Hauses und Herzens dem Judenthum gewaltsam verschlossen, das Gotteshaus desselben systematisch gemieden habe," und dennoch war dieser N.R. bei aller Verachtung „der religiösen Mittel" so lange höchst „ achtbar," bis das Gerücht bestätigt wird, der achtbare Ehrenmann wolle Christ werden. Da ist die Achtung zu Ende. Bis dahin hat es den Herrn Rabbiner gar nicht gekümmert, daß N. N. die Pforten seines Hauses und Herzens dem Judenthum gewaltsam verschließt, es hat ihn gar nicht entrüstet, den Ehrenmann nie in dem Gotteshause seines Judenthums zu sehen, er ist ihm nie nachgegangen, hat nie eine Zeile an ihn geschrieben, um ihm „die religiösen Mittel" entgegen zu bringen; er würde auch noch ferner kein Wort gegen N. N. gesagt oder geschrieben haben, wenn er auch noch Jahre lang so hingegangen wäre; nur der Umstand, daß er zum Christenthum übertreten will, das löst seine Zunge, setzt seine Feder in Bewegung und erregt seinen ganzen Unwillen. Dr. G. sagt S. 26. ganz frei und unumwunden: „Und wenn auch keine Gewiffensrücksichten, und wenn auch keine Beziehungen