Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 14 (1858)
- Issue
- 4-6 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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75 Ruhm, ein Verdienst bei Gott oder Menschen sucht, aber nicht, weil ihm die Noth des Andern zu Herzen ginge. Wenn daS Judenthum, das sich noch obenein immer seiner Mission für die Welt rühmt, wirklich solche „mitleidige Herzen" hat, warum erstreckt es denn dieses „Mitleid" nicht über die armen Heiden, die doch wahrlich in leiblicher und geistiger Hinsicht des thätigen „Mitleides" höchst bedürftig sind? Was hat „das Judenthum mit seinen mitleidigen Herzen" für irgend ein heidnisches Volk gethan? Doch was sagen wir: für ein heidnisches Volk; was thun diese mitleidigen Herzen für ihr eigenes Volk in den Ländern, wo Israel in Noch und Elend versunken ist? Bei der evangelischen Allianz in Parts 1855 sagte einer der Redner, als von der christlichen Mission in Palästina gehandelt wurde: „Unparteiische Juden sprechen sich also darüber aus: „„Hätte die Mission — nämlich die christliche — unter uns keinen Arzt angestellt, Sir Moses Montefiore hätte uns wohl keinen gesandt. Hätte die Mission unter uns und für uns kein Spital errichtet, unsere jüdischen Brüder würden nicht daran gedacht haben, uns eines zu erbauen. Hätten die Missionare unter uns und für uns keine Schulen errichtet, wir würden noch keine unter uns haben."" Was hilft alles Rühmen von „mitleidigen Herzen," wenn man doch dieses Mitleid in keiner Weise bethätigt. Da steht denn doch das Christenthum mit andern „mitleidigen Herzen" da, wie die verschiedenen MisfionS- und Bibelgesellschaften beweisen, wie die Summen von Millionen Thalern beweisen, die jährlich lediglich dazu gesammelt und verwendet werden, um die Noch Anderer zu mildern. Da ist wirkliches „Mitleid." Aber „das Judenthum mit seinen mitleidigen Herzen" ist nur der „Gedanke," „der Begriff," eine Redensart, oder wie das Sprüchwort sagt: Viel Geschrei und wenig Wolle. — Und „das Judenthum mit seinem reinen Gottesglauben!" Wenn „reiner Gottesglaube" so viel heißen soll, wie ein bloßer Gedanke, ein leerer Begriff von einem Gott; so viel wie: es giebt einen Gott, dann mag sich das G'sche Judenthum des „reinen Gottesglanbens" rühmen. Oder wenn „reiner Gottesglaube" so viel heißen soll, wie ein gereinigter Gottesglaube, daß das heutige Judenthum die Ideen des Talmuds verwirft, der seinen Gott nach Tausenden