Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 14 (1858)
- Issue
- 4-6 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554686-2554690--02883-2558767- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
68 viese Ausdrucksweise verräth einen schnöden Leichtsinn, der sich selbst aus dem Gesetze Gottes Nichts macht, während doch der Herr Rabbiner den Austritt aus seinem Judenthume mit so viel Ernst und Würde behandelt. Ist das Ceremonialgesetz nicht eben so gut von Gott dem Herrn selbst gegeben, wie das Moralgesetz? Ist es nicht ein Esausstnn, der sich in einem solchen Ausdruck kund giebt? Wie Esau sagte: Was soll mir die Erstgeburt und sie hingab um ein Linsengericht, so giebt G. „Vieles von dem Ceremonialgesetz preis," um seiner Afteraufklärung zu huldigen. —Aber handelt es sich denn etwa bloö um das Ceremonialgesetz, das aber Dr. G. nun und nimmermehr ein Recht hat mit Spott und Hohn preiszugeben, wie steht es denn mit dem übrigen Theil der heiligen Schrift und namentlich mit den Propheten? Von dem Ceremonialgesetz hat man bisher noch Manches beibehalten, aber die Propheten hat man längst preisgegeben, über die wird nicht erst eine Diskussion eröffnet, daö Endurtheil ist ihnen längst gesprochen. Wohin gehört denn die Lehre von „der dem Menschen eingebornen Sündhaftigkeit," ist daS auch nur eine Ceremonie? Diese Lehre ist auch längst verworfen. Ob vr. G. noch einen persönlichen Messias anerkennt, ist aus diesem Briefwechsel nicht zu ersehen, aber die meisten Reformjuden haben ihn längst preisgegeben. Die frühem Juden bekannten in ihren Glaubensartikeln, daß alle Worte der Propheten wahr seien, wie steht es bet G. mit diesem Punkt, ist das auch bloße Ceremonie? Wenn das G. Judenthum nicht nur das Ceremonialgesetz, das Geringste preiSgiebt, sondern das Höchste längst aufgegeben hat, wenn G. als Rabbiner einen Ehrenmann fragt, wie er „den traurigen Muth haben" könne zu sagen, „das Judenthum biete ihm Nichts," so möchten wir den Herrn Rabbiner vielmehr fragen, wie er „den traurigen Muth haben" kann, das ganze A. T. zu ignoriren und „preiszugeben," und für die Echtheit und Wahrheit seines gepriesenen Judenthüms auch nicht ein einziges Zeugniß aus dem Worte Gottes beizubringen, sondern nur einen armseligen Satz „der alten Lehrer?" Wie steht eS aber auch selbst mit dieser Autorität? Der Satz, auf den sich vr. G. beruft, lautet: „Der heiße in Wahrheit ein Jude, werden Götzendienst abweise, dem einzigen Gott keine andere Macht zugeselle."