Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 14 (1858)
- Issue
- 4-6 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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66 Recht zu bestimmen, was Judenthum ist, Holdheim in Berlin oder Geiger oder Tykttn in Breslau oder die chastdischen Rebbis in Polen und andern. Orten? Einer doch mindestens so viel, wie der Andere. Das „Endurtheil" aber wird weder durch „Den und Jenen" noch von irgend einer menschlichen Autorität gefällt werden, sondern von demselben lebendigen Gott, der bereits am Sinai und durch alle Propheten, wie auch durch die Geschichte der letzten 1800 Jahre längst entschieden hat, was wahres Judenthum, was das Wesen desselben ist. Das jüdische Land und das jüdische Volk giebt hinlängliches Zeugniß, was verbindlich ist und worauf es ankommt. Die Talmudverfaffer konnten sich und Andern noch vorgaukeln und einreden, Gott habe gesagt: Nizchuni bonai d. h. meine Kinder haben mich besiegt, aber der Gott des wahren Judenthums ist kein so schwaches Wesen, daß er sich von den Kämpfen und Anstrengungen der heutigen Reformjuden, trotz all ihres Gebahrens, Etwas vorschreiben oder gar besiegen ließ. Er sagt vielmehr: Ich bin Gott und keiner mehr. Ich schwöre bei mir selbst und ein Wort der Gerechtigkeit gehet aus meinem Munde, da soll es bei bleiben. Jes. 43, 22. 23. Worin besteht nun aber das Geigersche Judenthum? Ja, das ist schwer zu sagen, vr. G. scheint besser zu wissen, was Christenthum ist, als was das Wesen seines eigenen Judenthums ausmacht. Das wird ihm sogar von vr. Philippson in der Judenzeitung zum Vorwurf gemacht, wenn er, wie bereits oben angeführt, in der Anzeige des Schriftchens sagt: „Wir beklagen, daß die negative Seite, das Bekenntniß der christlichen Dogmen, scharf ausgeprägt worden, das positive Moment mit wenigen Worten abgethan ist." Hier müssen wir uns aber vr. Gs. gegen vr. Ph. annehmen. Was läßt sich denn doch Vieles sagen, von einer Sache, die noch gar nicht da ist? Was kann man von einem Kinde sagen, das noch gar nicht geboren ist? Man weiß ja noch nicht, ob es ein Kind oder eine Mißgeburt sein wird, man weiß noch nicht, ob es ein lebendiges oder ein todtes sein wird; ja, man weiß noch nicht, ob, wenn auch, wie der Dichter sagt, die Berge kreisen, nicht doch nur ein lächerliches Mäuschen geboren werden wird. Daß es aber mit vr. Gs. Judenthum also steht, daß dasselbe noch nicht zur Welt gefördert, sondern