Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 14 (1858)
- Issue
- 4-6 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Sprache versteht, um zu wissen, was „aufgefunden" heißt; den Schluß aber, der sich daraus ergiebt, wenn er einen Briefwechsel, der ein selbstgemachter und selbstveranlaßter ist, doch einen „aufgefundenen" nennt, überlassen wir Jedermann selbst zu ziehen. Wir möchten indeß fragen, ob ein solcher Titel beliebt worden ist um des bekannten jüdischen Grundsatzes willen, daß man wegen darche scholam, d. i. um des Friedens willen, sich auch Manches erlauben könne, was sonst grade nicht „würdiges Thun, Kraft des Charakters, Ehrenhaftigkeit des Wandels" genannt werden kann? Jedenfalls sagen wir, daß schon ein solcher Titel charakteristisch ist; er erinnert an einen Grundsatz, gegen den die Reformjuden mitunter auch zu Felde ziehen, der Zweck heilige das Mittel. Der Briefwechsel selbst enthält drei Briefe „über den Austritt, aus dem Judenthume," nicht aber über diesen Gegenstand im Allgemeinen, sondern nach dem „öffentlichen Geheimniß" über einen speciellen und allgemein bekannten Fall in Breslau selbst. Da wohl nicht grade ein Jeder Dr. G's. Broschüre zur Hand haben möchte, so geben wir zunächst einen gedrängten Inhalt des Briefwechsels. — Der erste Brief ist an einen „Geehrtesten Herrn" gerichtet, der nach einem Dr. G. „zu Ohren gekommenen Gerücht entschlossen ist, dem Judenthume untreu zu werden." Dr. G. kann dies Gerücht nicht glauben, da in den bisherigen Fällen solcher Untreue, die schlechten Motive der Eitelkeit u. s. w. offen und leicht zu erkennen waren. „Für einen Mann wie Sie," schreibt Dr. G., „bliebe nur ein Grund, aber auch ein vollkommen genügender, nämlich der gewonnene Glaube an die Wahrheit des Christenthums." Diesen „Glauben" kann aber Dr. G. dem N. N. nicht zutrauen, der in seiner „Anschauungsweise dieser religiösen Richtung" nicht zugethan sei, und er bittet daher um „eine unzweideutige Erklärung darüber." Könne N. N. „erklären, ein gläubiger Christ zu sein," so „bleibe er in G's. Augen ein achtungswerther Mann;" könne er aber dies nicht, so wünscht G. zu wissen, wie N. N. „diesen äußerlichen Glaubenswechsel rechtfertige." Dr. G., der doch die Wahrheit „des Gerüchtes" fürchtet, schließt seinen ersten Brief mit dem Trost, den er sich selbst giebt, daß „das Judenthum nicht untergehe, wenn auch