Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 14 (1858)
- Issue
- 2-3 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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46 Ich muß auch eines Rabbi erwähnen, welcher uns verschiedene Male besuchte und jedes Mal einen tiefen Eindruck von der Wahrheit des Evangeliums zu erhalten schien. Das letzte Mal schien er sich fest entschlossen zu haben, die Juden zu verlassen und zu uns zu kommen; aber fast unmittelbar darauf wurde er krank, und seitdem haben wir ihn nicht wieder gesehen, obschon wir wissen, daß seine Gesundheit wieder hergcstellt ist. Ich zweifle nicht, daß durch des Herrn Gnade das Wort, das wir zu ihm geredet haben, früher oder später seine Früchte tragen wird. Ein junger Mann von guten Fähigkeiten, den ich seit vier Jahren kenne, hat seit Kurzem große Sorge um das Heil seiner Seele gezeigt; er hat jeden Sonnabend, auch verschiedene Male an den Wochentagen und einmal am Sonntage den hebräischen Gottesdienst besucht. Er ist, wie ich hoffe, nicht fern vom Reiche Gottes, aber er wird von der Schwierigkeit, wie er sich und seine Familie erhalten soll, zurückgehalten, seine Ueberzeugung offen auszusprechen. Obschon ich ihn seit so langer Zeit kenne, so hat er doch nie das Geringste von mir erhalten oder erbeten, so daß jene eigennützigen Beweggründe, die man den jüdischen Forschern nach Wahrheit allgemein zuschreibt, ihn nicht beeinflußt haben können. Möge Gott ihm den Weg ebnen und das Mittel zeigen, durch das er die Schwierigkeit entfernen kann. Hier lebt auch ein Jude, ein Deserteur von der russischen Armee im Kaukasus, der, obgleich in einer Vorstadt Warschaus geboren, niemals von dem protestantischen Christenthum etwas gehört hat; er hörte Bruder Eppstein und mir sehr aufmerksam zu, als wir von unserm Heilande und seiner Religion zu ihm redeten. In seiner Jugend hatte er eine jener thörichten und göttcslästerlichen Erzählungen, Jesus von Nazareth betreffend, gehört, welche unter den Juden im Umlaufe sind, und war ganz erstaunt, als ich ihm sagte, daß die Christen eine andere wohl begründete Geschichte hätten; und als ich ihm dieselbe im Hebräischen zeigte, so äußerte er ein großes Verlangen, das Neue Testament zu lesen, aber beklagte zugleich, daß er nicht Hebräisch verstände und keine andere Sprache lesen könne. Glücklicher Weise fanden wir ein jüdisch-