Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 14 (1858)
- Issue
- 2-3 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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47 polnisches Neues Testament, welches er dankbar annahm und zu lesen versprach. Endlich lebt auch hier noch ein sehr intelligenter Jude, der, obschon er von mir und Ezekiel, mit dem er weitläufig verwandt ist, einige Male das Evangelium gehört hat, doch nicht darauf achtete, bis er mit einer frommen christlichen Familie hier bekannt wurde, welche öfters mit ihm vom Christenthume und dessen Vorrechten sprach. Er verschaffte sich nun ein Neues Testament und studirte es fleißig während mehrerer Monate, die er sich in einer benachbarten Stadt aufhielt. Da er. daselbst ganz fremd war, so war er keiner Zerstreuung ausgesetzt und entging auch allen Beunruhigungen, denen ein Leser des Neuen Testaments von Seiten seiner jüdischen Brüder unterworfen ist. Er machte von seiner Zeit einen so guten Gebrauch, daß er, als er vor ungefähr sechs Wochen hierher zurückkehrte, von der Wahrheit des Christenthums überzeugt war, und hatte nur noch einige schwierige Einwendungen zu machen, die er beantwortet zu haben wünschte. Seine Freunde brachten ihn zu uns, und seitdem ist er täglich von mir und Bruder Eppstein unterrichtet worden. Zuerst suchten wir seine Zweifel zu lösen, und sobald als er bekannte, daß sie entfernt seien, begannen wir das Neue Testament mit ihm zu lesen und es ihm zu erklären. Bruder Eppstein ließt mit ihm die Episteln und ich die Evangelien. Ich unterlasse es absichtlich, jetzt mehr von ihm zu schreiben. Ich bin hier so oft getäuscht worden, daß ich eS kaum glauben kann, wenn ich mit Jemanden zusammentreffe, in welchem ein anderer als der gewöhnliche Geist zu sein scheint. Wir alle sind ziemlich gesund gewesen mit Ausnahme meiner Frau, welche seit dem ersten Tage, daß wir Asien betraten, leidend gewesen ist. Am Sonntage, den 9., hatte ich zum ersten Male das Vorrecht, einen Nachkommen der Patriarchen zu taufen, nämlich den jungen Sohn des Herrn Dubinski. Möge er der Erstling vieler Anderen aus diesem Volke sein, nicht blos von Kindern, sondern auch Erwachsenen, welche ihre Zuflucht zn unserem Heilande nehmen." Diese Mittheilungen zeigen, wie das Evangelium den Juden