Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 14 (1858)
- Issue
- 2-3 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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31 I. SB., der zuletzt erwähnte Forscher, hatte einige Zeit vorher, ehe er zu mir kam, zwei Knaben in Rabbi B—s Familie Unterricht im Talmud gegeben. Als er an einem Abende meine Wohnung verlassen hatte, wurde er von S. erkannt, welcher, wie ich höre, treulos gegen unsere Missionare in Jerusalem und Constantinopel gehandelt hatte, und welcher dies dem Rabbi mitgetheilt zu haben scheint. Der Rabbi entließ ihn am folgenden Tage und behielt einen Theil von dem, was ihm zukam, zurück. Einige Tage später ergriff ihn der Einnehmer der jüdischen Abgaben und führte ihn mit Hilfe der Polizei ins Gefängniß, indem er ihn zugleich auf dem ganzen Wege mißhandelte. Hier wurde er von Freitag Nachmittags bis zum folgenden Nachmittage in eine schmutzige Zelle gesperrt, in welcher eine Anzahl Diebe und verworfene Personen unter einander lagen. Am Sonntage wurde er vor das Epitropv, oder das jüdische Controll-Amt gefordert, wo man vergebens ihn zu überreden und von der Verkehrtheit seines Vorhabens zu überzeugen suchte. Nachher lud ihn eine gegenwärtige Person zum Mittagessen ein; er nahm die Einladung an; aber als sich die Familie zu Tische setzte, ereignete sich ein Umstand, welcher Argwohn in ihm hervorrief und ihn veranlaßte, nichts anzurühren, von dem er nicht vollkommen überzeugt war, daß es unschädlich sei. Am letzten Donnerstag Abend wurde W. wieder auf dem Wege zu mir von dem oben erwähnten Einnehmer gewallsam ergriffen und, von der Polizei unterstützt, sehr mißhandelt. Ein jüdischer Kaufmann, welcher nicht ganz gleichgültig gegen die Wahrheit ist, erbarmte sich seiner und befreite ihn und einen anderen Juden aus ihren Händen. Da ich ihre Entschlossenheit sah, suchte ich eine Audienz bei dem Fürsten Demetrius Ghika nach, wozu mir der britische Consul behilflich war. Der Fürst hörte meine Darlegung der Thatsachen an und versprach mir, die Sache weiter zu untersuchen. Ich bat ihn einfach um Schutz für Alle, welche entweder nach der Wahrheit forschen oder später forschen mögen. Der Fürst erwiderte, daß die Religion hier frei sei; denn der Christ könne ein Muhamedaner oder Jude werden, und ein Jude kann Christ werden und