Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 14 (1858)
- Issue
- 2-3 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554686-2554689--02844-2558727- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
30 Missionsnachrichten. Bucharest. Unsere deutschen Juden rühmen sich oft der Toleranz und behaupten dabei, daß das Judenthum überhaupt Duldung gebiete. Wir haben in diesen Blättern oft schon Gelegenheit genommen, nachzuweisen, was diese hochgepriesene Toleranz zu bedeuten hat; und wie wenig sie in dem talmudischen Judenthume begründet ist, das -mag folgende Mittheilung aus Bucharest zeigen. Herr Prediger Kleinhenn schreibt von dort-, „Einer von meinen drei Forschern ist wieder auf den Weg des Jrrthums zurück gegangen; aber dagegen nehmen vier Andere Unterricht bei mir (von ihnen ist jedoch auch wieder einer zurückgetreten). Unter den gebliebenen ist der junge W., der Bruder eines Rabbi in Jassy. Hier hat sich nun der Zorn des verfolgenden Hasses gezeigt und ist mit Wuth auSgebrochen. Herr G. ist durch einen höchst schlau und schändlich angelegten Plan, dem von Seiten derer, welche ihn vor Ungerechtigkeiten hätten schützen sollen, nachgesehen wurde, des größten Theiles seines Eigenthumes beraubt worden. Plötzlich trat man in seinen Laden und bemächtigte sich des ganzen Vorraths seiner Habe unter einer Anklage, welche keinen positiven Grund hat. Er wollte lieber den Verlust beinahe seines ganzen EigenthumS ertragen, als an einem Orte, wo Bestechung an der Tagesordnung ist, einen laugen und zweifelhaften Prozeß beginnen. Es wurde ihm deutlich zu verstehen gegeben, daß sein beabsichtigter Wechsel der Religion die Ursache solcher außerordentlichen Behandlung sei. Ich bin sehr dankbar, hinzufügen zu können, daß er seinen Verlust mit wahrhaft christlichem Muthe, ich hätte beinahe gesagt, mit Freuden erträgt. Fast unmittelbar nach dem Ausbruche dieser Gewaltthat kam G. zu unserm Gottesdienste, und sagte später zu mir: „O! welch eine Erquickung war es für mich, mit ihnen meine Kniee im Gebete zu beugen; Niemand konnte es fühlen wie ich, welch ein Trost das ist." Ohne daß ich von seinen Verhältnissen etwas wußte, fühlte ich mich gedrungen, so recht inbrünstig für unsere Verfolger zu beten, von welchen wir wissen, daß sie Nie unthätig sind. ,