Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 14 (1858)
- Issue
- 2-3 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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29 halten, erweitert und gedeihlich fortgeführt werden, bitten wir um Liebesgaben; wir bitten auch heute um solche, zu welchem Zweck an den Kirchthüren gesammelt werden soll. Aber mehr noch, als um diese Gaben bitten wir: Lasset euch Jerusalem im Herzen sein! Denket nicht, die Sache sei mit einer kleinen oder größern Gabe abgemacht, bis etwa nach einem Jahr der Jerusalems-Verein euch wieder an Jerusalem erinnert, nein, lasset euch Jerusalem im Herzen sein; traget Jerusalem, wie unser Herr und Heiland, wie seine Apostel gethan, auf eurem Herzen; lasset Gebet und Fürbitte aus demselben aufsteigen zum Herrn;, gebt ihm, wie der Prophet Jesaias ermahnt, keine Ruhe, bis Jerusalem gesetzt ist zum Lobe auf Erden, daß die Heiden sehen ihre Gerechtigkeit und alle Könige ihre Herrlichkeit. — Wenn Jerusalem erst im Herzen ist, dann werden auch die Hände willig sein zu geben. Der Berliner Jerusalems-Verein giebt eine Zeitschrift heraus unter dem Titel: Neueste Nachrichten aus dem Morgenlande; in dem ersten Heft dieser Nachrichten wird aus Köln berichtet, daß eine am Charfreitage gehaltene Kirchencollecte zum Besten der an den heiligen Orten Palästinas lebenden Katholiken nicht weniger als 4116 Rtl. 10 Sgr. 2 Pf. betragen habe. Erhält nicht die Mahnung: Lasset euch Jerusalem im Herzen sein! durch solchen Eifer der Katholiken einen um so kräftigeren Nachdruck an uns Protestanten? — Wir schwärmen nicht im fleischlichen Sinn für Jerusalem; wir denken nicht daran, Paläste in Jerusalem zu bauen, Ländereien anzukaufen und auf solche Weise ein herrliches Reich Israels herzustellen. Jerusalem prangte einst mit herrlichen Gebäuden, das Land gab sein Gewächs, aber um der Sünde willen seiner Einwohner wurde Jerusalem zerstört und das Land eine Wüste. Was wir wollen, ist die Bekehrung Israels und der Einwohner Jerusalems. Wird erst Israel bekehrt zum Herrn, da wird er selbst auch denken an die Stadt und das Land und wird auch leiblichen Segen geben. Ohne den wahren geistlichen Bau Jerusalems wäre alles andere Bauen umsonst. Damit aber dieser geistliche Bau des rechten Tempels des Herrn fortgehe und gedeihe zum Segen und Wohl der Völker und zum Preise des Herrn, bitten wir nochmals dringend: Lasset euch Jerusalem im Herzen sein! Amen.