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Dibre Emeth · 1858-01-01 · 1 (1858) · page 3

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Journal
Dibre Emeth
Volume
14 (1858)
Issue
1 (1858)
Date
1858-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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3 geht ihnen, wie es von dem Bischof zu Laodicea heißt: Du sprichst: ich bin reich und habe gar satt und bedarf nichts, und weißt nicht, daß du bist elend und jämmerlich, arm, blind und bloß. Off. 3,17. Denn was ist es, deß sie sich rühmen? Es ist die Herrlichkeit des Judenthums. Aber welches Judenthums? Ja, wenn es das bibl. Judenthum wäre, dann müßte sich Jedermann vor der Herrlichkeit desselben beugen; aber davon ist keine Rede. Ist es das talmudische Judenthum? Daß in demselben keine Herrlichkeit enthalten ist, wissen unsre heutigen Reformjuden nur zu gut; würden sie darin eine Herrlichkeit gefunden haben, dann würden sie nicht so reformiren. Das Judenthum der heutigen Juden, dessen Herrlichkeit sie in allen Büchern und Zeitschriften rühmen, ist — der Gedanke. So arm sind also die Gläubiger der Christenheit, daß sie weiter Nichts haben, deß sie sich rühmen, als einen Gedanken! Das alttestamentliche Israel konnte rühmen: Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn Herrn, der vom Tode errettet. Ps. 68, 21. Wenn sie sich mit den andern Völkern um sie her verglichen, so konnten sie sagen: Der Heiden Götzen sind Silber und Gold von Menschenhänden gemacht; aber unser Gott ist im Himmel, er kann schaffen was er will. Ps. 115, 3. 4. Der Prophet Jeremias warnt vor falschem Rühmen: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit u. s. w. und ermahnt zum rechten Rühmen: sondern wer sich rühmen will, der rühme sich deß, daß er mich wisse und kenne, daß ich der Herr bin u. s/w. Jer. 9, 23. 24. Aber jetzt heißt es: „Was Der und Jener noch als für sich verbindlich erachtet, das macht nicht das Wesen des Judenthums aus; das geistige Band, welches gegenwärtig alle seine Bekenner umschlingt, der Gedanke, der im deutschen Judenthume immer mehr seine Anerkennung erringt, das ist sein Wesen, das macht zum Juden. Und dieses Band besteht eben in dem reinen Gottesbegriffe, in der Bethätigung dieses Glaubens eine reiche und ehrwürdige Geschichte hindurch." Israel hat keine Religion, sondern nur einen „Gedanken," keinen Gott, sondern nur einen „Gottesbegriff." Giebt es wohl in der ganzen Welt einen Menschen, ist unter den versunkensten Heiden einer, dem man es absprechen könnte, einen „Gedanken," einen „Gottesbegriff" zu haben? Und das ist 1*

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