Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 14 (1858)
- Issue
- 1 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554686-2554688--02815-2558697- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
8 die Christen. Es ist in dem verflossenen Jahr in allen Zeitungen und öffentlichen Blättern und in allen Gesellschaften sehr viel von Geldkrisis, Geldkalamität, Zahlungseinstellungen und daher entstandener weiterer Roth die Rede gewesen; eS wird wohl auch in dem neuen Jahre noch eine Zeit lang so fortgehen, wenn nicht hie und da gar noch ärger werden. Wir'wollen uns hier natürlich auf keine Untersuchung einlassen, woher diese Roth und Zerrüttung entstanden, aber gewiß ist es, daß die Ursache nicht gewissenhafte und treue Haushaltung gewesen sein kann. Der Christenheit ist auch ein großes Kapital anvertraut worden. Dies Kapital sind die religiösen Gaben, die geistlichen Güter und Schätze, die wir im Christenthum genießen: das Wort Gottes, die Gnadenmittel, und all die theuren und großen Gaben, die uns vor den Heiden auözeichnen, zu denen wir früher gehörten. Dieses große Kapital verdanken wir dem Volke Israel, denn der Mund dessen, nach dem wir uns nennen und der nicht lügen kann, sagt: Das Heil kommt von den Juden. Wir Christen sind daher Schuldner, und zwar Israels Schuldner. Wir haben das Kapital bereits viele Jahrhunderte im Besitz und Wenige, sehr Wenige aus der Christenheit haben in dieser ganzen Zeit daran gedacht, was als Schuldner ihre Pflicht ist gegen ihre Gläubiger. Derjenige, welchem Geld von einem Andern geliehen wird, bezahlt, wenn er ein ehrlicher Mann sein will; bezahlt er nicht, so nennt ihn die heilige Schrift und die Welt einen Gottlosen; denn der Gottlose borgt und bezahlt nicht. Ps. 37, 21. Was würde man aber von einem Schuldner sagen, der nicht nur nicht ans Bezahlen denkt, sondern der sich sogar noch an dem Gläubiger vergreift? Das ist aber im Laufe der Jahrhunderte sehr oft und viel daS Verhalten der Christen gegen die Juden gewesen. Unser Neujahrswunsch an die Christen ist daher der, daß sie endlich ihrer Schuld eingedenk würden und bedächten, welche hohe und heilige Verpflichtung ihnen gegen das Volk Israel obliegt. Wir sind in religiöser Beziehung reich gemacht, und unsre Gläubiger, in welcher traurigen Armuth gehen sie dahin! Wohl rühmen sie sich, gerade in dieser Hinsicht reich zu sein und brüsten sich gewaltig mit ihrem vermeinten Reichthum ihrer gegenwärtigen Religion, aber es