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Dibre Emeth · 1857-01-01 · 12 (1857) · page 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
13 (1857)
Issue
12 (1857)
Date
1857-01-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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304 Bruder und mancher Frau den Mann gekostet haben wird. Wenn wird dieser blutgierige Geist des Hasses und der Rache aus dem Herzen des Menschen ausgcrottet werden, und Friede, Liebe und Gottseligkeit ihren milden Einfluß über die weiten Gebiete der Menschheit ausdehnen? Nachmittags wurde unser Weg noch rauher und die Aussicht steriler und wüster. Grenzenlose Züge von Felsen thürmten sich gleich wogenden Wellen einer stürmischen See in wilden und gestaltlosen Massen auf bis auf die äußerste Grenze des Horizonts, als ob die Erde, von der Sünde und Gottlosigkeit ihrer Bewohner müde, unter ihrer verderbten und unheiligen Last erbebte. Wir hatten die Spitze der Klippe erreicht und suchten nach einem'Abgang in das Thal, als aus einer kleinen Höhle, welche ohne Zweifel von der Hand eines Räubers ausgehauen worden war, eine aufgedunsene Kreatur emporstarrte, welche in einem Augenblicke den Zaum meines Maulthieres ergriff. Meine Bedeckung zog unwillkürlich das Schwert und stürzten sich auf den Angreifer, als ein Chor von wildem und grausamen Geschrei anzeigte, daß der Räuber nicht allein war. „Was wollt ihr," fragte meine Bedeckung, „daß ihr einen Reisenden unter dem Schutze des berühmten Scheikh der Beni Jebar anhaltet?" „Still," war die Antwort, „und laßt nicht einen ungläubigen Nazaranee die Freundschaft unserer Stämme vernichten." Während dieses kurze Zwiegespräch stattfand, sammelten sich gegen zwanzig nackte und grausame Gestalten auf der Klippe. Es war ein großes Gemurmel und Geflüster unter den Angreifern und meiner Bedeckung. „Hat er Geld? Möchte ihn Ali Zarkhee loskaufen? Sollte ein Nazaranee nicht getödtet werden?" Solche und ähnliche Aussprüche konnte ich deutlich hören; aber wie bedeutsam auch diese Worte waren, sie erfüllten mich nicht mit Furcht oder Bangigkeit; der Herr war meine Zuflucht und seine Liebe mein Gegengift gegen Angst und Betrübniß. Der Scheikh der Räuber, Achmed-el-Nischa, forderte mich auf, ihm in seine Wohnung in Belad-el-Dustan, zu folgen. Hier wurde mein Gepäck sorgfältig durchsucht; aber zu ihrem unendlichen'Verdruß fanden sie sehr wenig, was des Nehmens werth war/) aus- *) Mein Geld und meine Kleidung hatte ich zu Hodeida gelassen, da ich von dem gesetzlosen und gefährlichen Zustande auf den Straßen gut unterrichtet war.

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