Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 12 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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203 zog und meinen Weg gegen das Gebirge nahm, dessen Spitzen mit Wolken bedeckt waren. Meine Freunde begleiteten mich beinahe eine Stunde Wegeö bis zu dem Punkte, der vorher zum Znsammentreffen mit meiner Bedeckung bestimmt worden war. Der Scheikh der Beni Jebar war, seinem Versprechen getreu, bereits mit drei bewaffneten Beduinen da. Hier stiegen wir alle ab und hielten eine kurze Berathung über den Weg, welche natürlich durch den Rauch und Schein der Bouree belebt wurde. Nachdem diese Sache hinlänglich abgemacht war, bestieg ich mein Maulthier wieder und begann unter dem Schutze der drei Banditen der Wüste die Felsen zu erklimmen, welche gleich ungeheuren Mauern den Weg in die Ebene von Sanaa bewachen. Der Tag war, wie alle Tage in Arabien, außerordentlich heiß, und es war ein schweres Werk, die wilden und felsigen Abhänge zu übersteigen, über welche unser Weg führte. Die Gegend hatte wenig, was das Auge erfreut oder die Einbildungskraft gefangen genommen hätte. Ernst und wild sahen die Felsen aus, arm und elend die Dörfer. Gelegentlich stiegen wir in ein Wasserbett hinab, belebt von dem dumpfen und eintönigen Gemurmel eines launischen Stromes, welcher sein Wasser zwischen hohem Grase und zwergartigen Bäumen dahinrollte, bis es in unförmliche Kanäle zum Zwecke der Bewäsierung geleitet wurde. Auf einem der Felsen, über welchen sich ein unruhiger und ungestümer Bach ergoß, saßen zwei Frauen von Gram ganz hingenommen und aufs bitterlichste klagend. Ich glaubte, daß ein Raub oder Mord vollbracht worden sei und deswegen hielt ich an, mich zu erkundigen. Anfangs antworteten sie nur mit einer lauteren und gellenderen Klage, aber als die Frage wiederholt wurde, erhoben sie ihre blitzenden Augen und riefen krampfhaft und mit heftiger Leidenschaft: „Ja, o Söhne der Gläubigen, Mord ist begangen worden, denn gestern erschlugen die Ungläubigen in jenem Dorfe dort, Hoßein, meinen Mann, und Ibrahim, Fatimas Bruder, und möge.... (hier folgte eine schreckliche Fluth von Flüchen) wenn wir uns jemals von diesem Flecken bewegen oder aufhören die Gewaltigen und Tapferen zu beklagen bis ihre Feinde auögervttet sind und ihr Blut gerächt ist." Wahrscheinlich ist jetzt schon ihrer eingefleischten Bosheit ein Genüge gethan, obschon es mancher Schwester einen