Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 12 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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305 genommen mein Aneroid, und dies betrachteten sie als ein Zauberinstrument und mochten es nicht berühren. Sie ärgerten sich alle über meine Armuth, aber besonders ein dickbackiger Schurke, dessen gehässige und abschreckende Erscheinung vor meiner Einbildungskraft gleich einem erschrecklichen Gespenste steht, selbst während ich dies schreibe. Dieser Kerl hatte ohne Zweifel einen großen Theil der Beute erwartet, und nun, als er sich getäuscht sah, sprang er gleich einem wüthenden Bullochsen auf mich los und schlug mich mit seiner festen hornigen Hand vier- oder fünfmal ins Gesicht. „Beim Leben des Propheten," riefen meine Bedeckung und mein Eseltreiber, „dies darf nicht geschehen;" und in einem Augenblick ertönte der ganze Hof von einem heftigen und wüthenden Geschrei. Obschon heftig aus Nase und Mund blutend, stürzte ich mich doch zwischen die kämpfenden Partheien und durch Bitten, Versprechungen und Ueberredung besänftigte ich den entbrannten Zorn meiner Leute. Als der Friede wieder hergestellt war, lud der Scheikh mit wahrer Gastfreundschaft alle zum Abendbrot. Nach dem Essen fing der Barbier an die Armen, Brust und Beine der Gäste einzuschmieren; er wollte auch mich mit Reiben und Poliren beehren, aber ich lehnte die Ehre ab, da meine Beine entzündet waren, und unter seiner Manipulation nicht besser geworden sein würden. „Haben Sie gebetet?" fragte die schreckliche Gestalt, welche mich so grausam angefallen hatte. „Ja, ich habe," war die Antwort. „Und um was beteten Sie?" fuhr dieselbe dumpfe Stimme fort. „Ich betete, daß mich Gott aus eurer Hand erretten wolle." „Sagen Sie: Salla alei-el-Nebi, d. i. Friede sei über den Propheten (Mohamed)." „Ich mag nicht lügen, und darum werde ich es nicht sagen," war die Antwort. „Hund von Nazaranee," rief er, „Du sollst noch durch diese Hand und diesen Dolch sterben." Später sagte mir der Scheikh, daß ich zu Ali Zarkhee nach Geld schicken müßte, um mich loszukaufen. „Ich werde eurem Verlangen Nachkommen, aber ich zweifle, daß Ali Zarkhee meiner Bitte willfahren wird," sagte ich. „Dann," erwiderte er verdrießlich, „werde ich Sie entweder als einen Gefangenen hier behalten, oder ich werde Sie tobten, wie es ein Ungläubiger verdient." „Thun Sie, was Sie wollen, ich bin in Ihrer Gewalt." Es war