Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 12 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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302 täuscht. Der Scheikh der BeniJebar, ein kühner und gesetzloserHäuptling, hatte während meines Aufenthaltes in Sana« an einem leich-' ten Fieberanfall gelitten, und wie es in solchen Fällen gewöhnlich geschieht, wurden die Mullahs zu Rathe gezogen. Diese Weisen nahmen nun ihre Zuflucht sofort zur künstlichen Anwendung von Zaubermitteln und Stellen aus dem Koran; aber da des Kranken Glaube, so wenigstens gaben die Doctoren vor, nicht sehr stark war, so befreite ihn weder das Eine noch das Andere von seinen Schmerzen oder linderte die innere Hitze.' In diesem Nothfalle wurde der Nazaranee, der bereits seinen Ruf begründet hatte, gerufen, und dadurch, daß ich den Mann zwang, eine starke Dosis zum Abführen und eine ebenso starke zum Erbrechen zu nehmen, war die Kur bald vollbracht. An diesen Räuberhäuptling, welcher mir nicht einmal für meine Medicin gedankt hatte, wandte ich mich nun um eine Bedekkung; und als ob er ängstlich besorgt wäre, seine Undankbarkeit wieder gut zu machen, versicherte er beim Leben seines Bartes, daß sein tapferer und kriegerischer Stamm mich nicht allein durch die Provinz Sanaa, sondern durch die ganze Welt sicher führen werde. Die Juden waren tief ergriffen, als sie hörten, daß ich beschlossen hätte, abzureisen und kamen nun in verschiedenen Haufen, mir den Abschiedssegen zu geben. Es herrschte ein feierlicher Ernst in diesen Zusammenkünften — ein unbewußter Ausdruck der innersten Gefühle der Seele; und diesen letzten Tag in Sanaa, als Alt und Jung, der Greis in hohem Alter, wie der Rabbi verehrt seiner Gelehrsamkeit wegen, sich vorwärts drängte, um mich zum letzten Male zu umarmen, oder einen Kuß der zärtlichen Erinnerung mir auf die Hand zu drücken — diesen letzten Tag werde ich, wie ich in Wahrheit sagen kann, stets als den glücklichsten meines Lebens betrachten — den glücklichsten meines Misstonsberufes. Und nun ergreife ich wieder meinen Pilgerstab und trete meine traurige und gefährliche Reise an. Das erste Morgenroth leuchtete eben am Horizonte, die Bazars waren noch geschlossen und die staubigen Straßen waren noch nicht beunruhigt von den schrecklichen Beduinen der Wüste und dem düstern Araber der Stadt, als ich mit Ali Zarkhee und mehreren anderen Mohamedanern zum Thore aus-