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Dibre Emeth · 1857-01-01 · 12 (1857) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
13 (1857)
Issue
12 (1857)
Date
1857-01-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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194 gingen zur Thüre hinein, stiegen die Treppe hinauf, und betraten ohne Ceremonie das Audienzzimmer des Gouverneurs. Die versammelten Magnaten glotzten mich mit ihren flammenden kleinen Augen an, als ob ich ein gefürchtetes Phantom wäre, welches sie schon lange mit Träumen gequält habe, und welches nun, plötzlich mit Leben und Sprache begabt, aus irgend einer unbekannten Gegend in der Wirklichkeit in ihre Mitte getreten sei. Niemand grüßte mich als der Scheikh und zwei verwegene Häuptlinge aus dem Gebirge, denen ich Arznei gegeben hatte;*) sie allein streckten ihre Hände aus, den verhaßten Christen zu berühren. „Nun Scheikh-el-Nazaranee," sagte der Gouverneur, „ich höre, Ihre Bücher sind angekommen, und daß Sie wegen ihrer Vertheilung in Unannehmlichkeiten verwickelt worden sind. Tegib, Tegib, wir werden die Sache in Ordnung bringen; aber zunächst wollen wir hören, was die Juden zu sagen haben." Bei diesen Worten wurde der Vorhang, welcher vor der Thür hing, hinweggezogen, und es erschienen fünf ehrwürdige Rabbiner an ihrer Schwelle. Die armen Rabbiner machten, als sie so verzagt und niedergeschlagen dastanden, einen fremdartigen und schmerzlichen Kontrast zu den kühnen und entschlossenen Arabern, welche auf den Divans in der Stube lagen. „Jahud, glaubt ihr an die Bücher, welche dieser Mullah der Nazaranee gebracht hat?" fragte der Scheikh. „Ja, wir glauben," war die kurze Antwort. „Und," fuhr dieselbe barsche Stimme fort, „wollt ihr sie schätzen wie die Torah des Muza (das Gesetz Moses) und die Sabur des Daud (die Psalmen Davids) wenn sie euch gegeben werden?" „Ja, Euer Ercellenz, denn die Torah (Gesetz) der Christen ist dieselbe wie die Torah der Juden." Was sagtet ihr," fiel ein Mullah ein, dessen scheußliche Gesichtszüge durch die Menge Kaad,**) welche er in sei- *) Ich führte einige Arzneimittel bei mir, und mtt diesen heilte ich einige Personen, die am Fieber oder an Augenkrankheiten litten, Nebel, die in Arabien vorherrschend find. **) Kaad ist eia Baum, der in Arabien cultivirt wird. Die Blätter haben die Gestalt wie die des Senesbaums, und die Eingeborenen kauen dieselben so leidenschaftlich , daß die ärmere Klasse lieber Alles daran geben würde, was sie hat, als sich des Genusses dieser berauschenden und wie ich glaube giftigen Pflanze entschlagen.

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