Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 12 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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192 Wort Gottes vorzulesen und zu erklären, trat Mori Jehya, einer der Chachamim (Gelehrten) und ein guter Freund von mir, in meine Stube und murmelte zum Erstaunen Aller zwischen den Zähnen — „verfluchte Gotteslästerer — unreine Götzendiener — Kinder des Teufels re." Nicht wissend, wem diese und viele andere ähnliche Ausdrücke galten, rief ich aus:;,More Jehya, warum so in Wuth — warum so übel gestimmt?" „Ja Wuth und übel gestimmt!" erwiderte er, „haben wir nicht Ursache dazu? Sind wir nicht die elendesten und unglücklichsten Geschöpfe unter der Sonne? Wird uns nicht das Blut tropfenweise aus dem Herzen gepreßt? Sie in Ihrer Herzensgute, der Herr wolle Ihnen dafür einen Sitz im Paradiese geben, Sie sind aus dem Lande gekommen, wo die Sonne untergeht; Sie haben den Ungeheuern der Tiefe Trotz und dem schnöben Araber der Wüste die Stirne geboten — Sie haben nicht gescheut die Schrecken der Nacht, noch den Pfeil, der am Tage fliegt; und das haben Sie gethan, Israel zu trösten und die Trauernden in Juda mit Freude zu erfüllen; und nun sind Sie kaum eine Woche hier und Ihr Leben ist in Gefahr — Ihre Bücher sind kaum ausgepackt, so verlangt der Saame Molochs zwei Hundert Thaler Zoll." Nachdem der feurige und leidenschaftliche Rabbiner den wallenden Gefühlen seines zurückgedrängten Zornes Luft gemacht hatte, erzählte er in ruhiger Weise ausführlicher, daß der Scheikh Abdallah Chanini und der Cadi Schuganee das Beth Din, d.i. den jüdischen Gerichtshof vor sich gefordert, und ihnen bei zweihundert Thaler Strafe verboten hätten, kein Buch von mir anzunehmen." „Unterwarf sich das Beth Din diesem Verlangen?" fragte ich. Hierauf erwiderte er mit einem entschuldigenden Zucken der Schultern: „Ja, denn was konnte es anders thun? Sind wir nicht Sklaven der Gojim, das ist der Heiden?" Hier unterbrach der Sekretair des Gouverneurs unsere Unterhaltung, und da er in der That sehr freundlich gegen mich gesinnt war, beklagte ich mich sofort bei ihm über die Ungerechtigkeit, die ich erfahren hatte. Der würdige Beamte war ganz entrüstet darüber, daß Abdallah Chanini auf meine Bücher einen Zoll gelegt hatte; „aber das ist seine Natur, er verlangt und greift immer nach Geld. Gut, diesmal wollen wir es ihm vereiteln, denn beim Leben