Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 12 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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190 meine mohamedanischen Freunde mich abzuholen. Aber ehe ich Abschied nahm, sprach ich noch einmal, zu den Juden über die große Frage, welche den Streitpunkt zwischen ihnen und uns bildet. Ich sagte unter Anderem: „In wenig Tagen werdet ihr den Versöhnungstag feiern — einen Tag der Kasteiung und Buße, des Fastens und.des Gebets; aber, meine theuern Brüder, können Meeresströme von Thränen die Sünden wegwischen? Kann die Angst des Herzens Vergebung verschaffen? Das Gesetz fordert Vollkommenheit, und kündigt der geringsten Abweichung von seinen Geboten den Tod an. Wo ist nun aber der Mensch, der sagen könnte, er sei ohne Sünde, er habe sich nie des geringsten Vergehens schuldig gemacht? Wir können die ganze Welt durchwandern und in das abgeschlossenste Heiligthum dringen, und wir werden überall die Spuren unseres Falles und die verderblichen Wirkungen der Sünde finden. Nein, meine Brüder, im Fasten ist kein Verdienst, wie der Prophet sagt, und kein Erlaß der Schuld in den Opfern der Lippe; unsere Natur erfordert ein würdigeres Sühnopfer, und die Gerechtigkeit Gottes eine vollkommnere Genugthuung. Nicht das Blut auf dem Altar, selbst nicht das Kind meiner Liebe kann mir die Gunst eines gerechten Schöpfers und den Himmel erwerben, den ich durch meine Sünden verwirkt habe; ein Sühnopfer der Gerechtigkeit Gottes angemessen, das allein konnte die Strenge des gebrochenen Gesetzes zum Schweigen bringen — das allein konnte den Fluch von dem Menschengeschlecht hinwegnehmen. Ein solches Opfer hat der, welcher an Christum glaubt, „denn er ist um unserer Missethat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen;" und o, meine Freunde, die ihr mit so vielerlei beschwerlichen Wechselfällen und widerwärtigen Umständen zu kämpfen habt, laßt die Sorge für die Gegenwart nicht die Sorge für die Zukunft ersticken; im Gegentheil laßt unter allen Leiden und Mühseligkeiten, unter all den Aengsten, welche dem Herzen blutige Thränen erpressen — laßt unter all solchen traurigen Umständen den Glauben das Bild des Erlösers vor eure Seelen führen, und der Gram, wie groß er auch sei, wird gemildert — und die Verzweiflung, wie schrecklich sie auch sei, wird hinweg gethan werden." Die ganze Versammlung schien bewegt zu sein, und ich glaube,