Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 10-11 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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166 du ahnst es kaum, der Wechsel des Geschicks so leicht, daß du nicht nm ein Thor bist, wenn du verzweifelst im Bittersten, sondern abtrünnig von Gott! Wer Gott vertraut, der altert nicht, seine Kraft erneuet sich aller Zeit 'n ’ip itois’Sit (Jesch.)" Was soll man zu solchem Gewäsch und Geschwätz sagen? „Der Mensch braucht nicht zu altern, er kann jung und frisch bleiben," wenn er nur will, eS steht in seiner Macht und in seinem Belieben; und wenn er doch Hagen, muß, daß er abstirbt, „so ist das Gottes Werk." Oben hat er seinen Hörern und Lesern das Gewaltige: „Was wisset Ihr, dein Auge ist umflort; und darum siehst du so dunkel und so trübe" — entgegengedonnert; hier bekennt er, daß auch sein „Haar grau und sein Auge dunkel wird." Nun bekennt er da nicht selbst, daß er ein blinder Blindenleiter ist? Aber auch ohne dies klare Selbstbekenntniß und Selbstgeständniß liefert das Peßachwort den deutlichsten Beweis, daß, wenn auch kein einziger Einzelne in der ganzen Menschheit altere, der Verf. an bedeutender Altersschwäche leiden muß. Weil er aber dieses „Altern in Augen, Händen, Füßen und Lippen" gewaltig fühlt, und dies Gefühl ihm höchst peinlich und unangenehm ist, so rafft er noch, wie ein Sterbender, sein letztes Restchen von Kraft zusammen und ruft, wenn auch nicht mehr mit „Fluß der Rede," doch noch so gut er eben kann: „Die Menschheit altert nicht, Israel altert nicht, der Einzelne altert nichts — und hofft darin den Trost zu finden: also altere auch ich nicht. — Die hebr. Worte aus Pf. 92, 15, welche der Verf. für seine Behauptung anführt, „daß durch jeden Winter ein neuer Frühling in deiner Brust, in deinem Herzen dringt," wollen dein Zweck des Verfassers nicht sonderlich entsprechen. Der Psalmist sagt im 13. V. des angeführten Psalmes: Der Gerechte wird grünen wie ein Palmbaum, er wird wachsen wie eine Ceder auf Libanon. Offenbar sagt der Psalmist nur von den Gerechten, daß sie grünen, von den Gottlosen sagt er in diesem, wie in andern Psalmen ganz anders; der Verf. des Peßachwortes aber behauptet von jedem Einzelnen, daß er am „siebzigjährigen Stamme noch Blüthen des Lebens treibe." Die Gerechten, von denen der Psalmist redet, verkündigen, wie es im letzten V. des angef. Psalmes heißt: daß