Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 8-9 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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142 Befreiung. Nach vielen demüthigenden Vorwürfen wurde seine Bitte gewährt; ich aber mußte büßen für das Unrecht, das er erduldet hatte, den» während deS größer» Theiles der Nacht hielt er mich mit Erzählungen über die Grausamkeiten der Muhamcdaner und die Mißhandlung, die sein Volk erfahren, munter. Dieser Umstand wurde bald unter den Juden in den angrenzenden Dörfern bekannt, und schon am nächsten Tage kamen viele, um diesen unerwarteten Freund ihrer Nation zu sehen. Mit den Meisten von ihnen hatte ich lange Gespräche, und obgleich jedes Wort, daS ich sagte, jede Wahrheit, die ich hervorhob, ihren religiösen Vorurtheilen entgegen war, hörten doch alle dem auswärtige» Lehrer begierig zu und merkten auf die Lehren, die er ihnen einfchärfte. Als ich über den Markt ging, wo viele Juden ihr Bischen Waare ausgestellt hatten — es war grade Markttag — nahm ich mit Freuden wahr, wie einige verstohlener Weise unsre Tractate lasen, und andre ruhig über den Werth und die Vortrefflichkeit unsers Glaubens sich unterhielten. Ach du armes, verachtetes Volk! mein Herz blutet mir, wenn ich an den Jammer denke, zu dem du verurtheilt bist, und an die Drangsale, denen du dich unterwerfen mußt! Auf Erden ist dein Loos traurig und schmerzlich — deine Aussicht auf den Himmel freudenleer und ungewiß. Der Messias, dessen Sanftmuth und Demuth dem Christen Licht und Trost gewährt auf seinem harten und rauhen Pfade, ist dir unbekannt; du kannst dich nicht erfreuen an den heiligen und göttlichen Offenbarungen, die in der schwersten Anfechtung und Trübsal dem Zagenden Trost und dem Müden Ruhe gewähren! Am dritten Morgen nach meiner Ankunft in Uhr, kam ein Bote von Ali Zarkhee in Sanaa an und brachte mir die frohe Nachricht, daß ich meine Reise fortsehen könne. Auch der Scheikh und ein andrer Häuptling erhielten, wie sie mir sagten, die Weisung, für meine Sicherheit Sorge zu tragen. Da nun Alles in gehöriger Ordnung war, so wurde festgesetzt, daß ich in Beit-el Nash, einem Dorfe zwei Stunden von Uhr, übernachten, und von da, in Begleitung eines treuen und zuverläßigen Mannes, den nächsten Tag nach Sanaa gehen sollte. Der Scheikh selbst, der ein Haus in