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Dibre Emeth · 1857-01-01 · 8-9 (1857) · page 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
13 (1857)
Issue
8-9 (1857)
Date
1857-01-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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141 und als wir noch eine Stunde weiter gegangen waren, erblickten wir auf einem hohen breiten Berge die kleine Stadt Uhr, die wegen der Menge und Vortrefflichkeit ihres Kaffees berühmt ist. Die beschwerliche Reise dieses Tages hatte mich ganz aufgerieben, mein Geist jedoch achtete nicht auf die Ermüdung und Entkräftung meines Körpers, und der bloße Gedanke, dem Ziel meiner Reisen so nahe zu sein, und die Ausstcht, das Evangelium dorthin zu bringen, wo das Licht desselben bisher noch gar nicht geschienen hatte, erfüllte mich mitten unter allen Beschwerden mit Hoffnung und ließ mich alle körperlichen Mühseligkeiten freudig ertragen. Der Scheikh in Uhr, an den ich einen Empfehlungsbrief hatte, war äußerst freigebig in Anerbietung seiner Dienste, und mit großer Selbstgefälligkeit über seine eigne Frömmigkeit gab er mir die Versicherung, daß es ihm jederzeit Vergnügen gewähre, einen Hadschee zu sehen. Ich sagte ihm, ich sei kein Hadschee; und obgleich diese unerwartete Antwort ihn etwas verblüffte, so unterdrückte er doch seinen Mißmuth und sagte: Was du auch immer bist, ob ein jüdischer Hund, oder ein ungläubiger Nazarener, du bist mir willkommen und während deines Aufenthaltes hier, will ich dich beschützen. Während dieses höflichen Gesprächs war E., der in der Straße gesessen hatte, gefesselt ins Gefängniß geworfen worden. Ich fragte den würdigen Häuptling, warum er seinem Volke erlaube, die Regeln der Gastfreundschaft zu verletzen durch Mißhandlung des Bedienten eines Fremden, der noch obendrein die Ehre habe, seine Gunst zu genießen? Er machte eine nichtige Entschuldigung und indem er einen halblauten Fluch hermurmelte, in welchem auch ich mein bescheiden Theil bekam, befahl er seinen Leuten, den Juden zu bringen. Bleich, verhungert, in Ketten und zitternd vor Angst, taumelte der arme E., dessen ganzes Verbrechen darin bestand, der grausamen Tyrannei unbarmherziger Verfolger entflohen zu sein, in mein Zimmer, geführt von zwei Arabern. Zuerst wollte er sich vor mir niederwerfen, aber ein bedeutsamer Wink, den ich ihm gab, änderte sein Vorhaben, und trotz seiner Fesseln lag er in einem Augenblicke auf seinen Knieen vor dem Scheikh und flehte um seine

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