Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 8-9 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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m Beit-el Nash hat, geleitete mich bis dahin und unter dem Vorwände von Freundschaft, für die ich meine letzten zwei Thaler hingeben mußte, bewirthete er mich unter seinem eigenen Dache. Mit Sonnenaufgang verließen wir das elende Dorf und setzten unfern mühsamen Weg wieder fort. Das Land bot von hier an einen sehr verschiedenen Anblick dar, von dem reizenden und lieblichen Bilde, welches die Berge gewähren, welche wir überstiegen hatten. Die Kaffee- und Bananen-Pflanzungen schmückten die Berge nicht mehr, um ihren verschwenderischen und erfrischenden Duft der erhitzten Luft mitzntheilen. Schauerlich, furchtbar und gleichsam zürnend erhoben sich die kahlen und nackten Felsen, von ihren rauhen und steinigen Seiten ein Feuer zurückwerfend, welches das Blut koche» und den Schweiß strömen machte. Wir begegneten verschiedenen bewaffneten Gesellschaften, welche, ungleich jenen auf dem Berge Haraß, mich sehr genau musterten, und ich darf wohl sagen, daß, wenn mein Führer, ein Beduine, ihren Fragen nicht damit zuvorgekommen wäre, daß er ihnen sagte, ich sei ein wandernder Derwisch*), sich ihre räuberischen Augen nicht so leicht von mir abgewandt haben würden. Am späten Mittag bestiegen wir die letzte felsige Bergkette, welche uns von Sanaa trennte, und als wir diese Arbeit vollbracht hatten, erblickten wir vor uns, wie durch einen Zauber, eine der ältesten und berühmtesten Städte mit ihren zierlichen Palästen und Gärten, ihren kegelförmigen Minarets und glänzenden Kuppeln, welche sich gleich einer Oase in Mitten einer Gegend der Verwüstung und des Todes erhob. Hier machten wir im Schatten eines alten verfallenen Stalles, der auf den Rand eines Felsen erbaut war, eine Weile Halt, ehe wir in die Ebene hinabstiegcn — ein Vergnügen, dem wir uns am folgenden Tage nickt hätten hingebcn können, da der Paß dann von drei Hundert der Bani Tabarr besetzt wurde, welche an Allen, die das Unglück hatten in ihre Hände zu fallen, die schändlichsten Grausamkeiten verübten. Während wir und unsere Esel der Ruhe genossen, ging E. voraus, um mir eine Wohnung zu besorgen, und es war eine ganz unerwartete Freude, am Eingänge der Judenstadt eine Menge Menschen zu finden, die mich erwarteten, um mich in das Haus des More Saida Mansura, eines ihrer Oberrabbinen zu führen. *) Die Muhamedaner legen immer einem Derwisch, weß Glaubens er auch sein mag, einen Geruch der Heiligkeit bei, so daß er folglich unbelästigt durch die gefährlichsten Länder reisen kann.