Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1857-01-01 · 8-9 (1857) · page 28

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
13 (1857)
Issue
8-9 (1857)
Date
1857-01-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2554541-2554677-2554683--02738-2558617
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

140 und kräftige Gestalten, die jede Entbehrung ertragen und alle Beschwerden übernehmen konnten. Die Kleidung war offenbar ein verächtlicher Gegenstand für sie; ein zerfetztes Stück Leinwand mit einem ledernen Gürtel um den Leib befestigt, und im Gürtel ein krummer Dolch und spitziges Messer — das waren ihre äußern Bedürfnisse. Auf dem Kopfe hatten sie nichts als ihr eigenes Haar, das in langen Flechten über ihre bronzenen Nacken herunterhing. ES war noch finster, als wir unter dem Schutz und der Leitung dieser wilden und grausenvollen Wesen unsere Reise antraten. Unser Weg führte uns durch liebliche und reizende Landstriche, angenehme Felder mit vielen Bäumen; die Berge waren mit Wäldern, die Thäler mit üppigem Grase und kräftigen Kräutern bedeckt. Dicht an dem Wege, auf dem man sich mühevoll hinschleppte, fließt ein klares Bächlein, das murmelt und schäumt, so oft ein Baumstamm, oder ein loser Felsen seinen Lauf hemmt; oben über unfern Köpfen hingen schwarze und furchtbare Massen, in deren Schatten aber der Reisende sich fürchtet zu zögern; und vorwärts weiter als das Auge reicht, thürmt sich Spitze an Spitze einer mächtigen unbegrenzten Gebirgskette. Alles ist großartig und prächtig, nur der Mensch gemein, schlecht, entartet und abschreckend. Nach einem vierstündigen tüchtigen Marsch kamen wir in eine Bergschlucht, die von zwei großartigen Seitenwänden gebildet wurde, die durch eine gewaltige Umwälzung in der Natur schienen von einander gerissen worden zu sein. Dies war der gefährlichste Punkt auf unserm Wege, und er war in der That ganz geeignet für die schwarzen und unmenschlichen Verbrechen, die in den letzten Jahren hier verübt wurden. Unsre Schutzmänner waren hier sehr ängstlich und ihre Augen beobachteten argwöhnisch die Bewegung jedes Baumzweiges und jedes rauschende Blatt. Dann und wann flüsterte der Eine oder der Andere ein Ermunterungswort in mein Ohr; aber wiewohl allein in einem unbekannten Lande und unter wilden, fanatischen Menschen, empfand ich doch keine Furcht vor Räubern und Mördern; der Herr war meine Zuversicht, der Höchste war meine Zuflucht, wie immer. Endlich kamen wir aus dieser furchtbaren Bergschlucht heraus,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.