Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 8-9 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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irgend welchen Grund zur Hoffnung auf diesen Gott, wie er auf sich selbst haben kann. Denn dieser Gedanken- und Vernunflsgott ist doch nur ein Götze, und nicht einmal ein Götze, den man sehen oder greifen möchte; daher ist es auch ganz natürlich, daß weder der begriffene Gott Trost geben, noch der Besitzer der begreifenden Vernunft Hoffnung oder Trost haben kann. Was thut er nun also in diesem Zustande? Er freut sich, daß er Peßach im Blüthenmonat feiern kann, und da spricht sich eben die Verzweiflung aus. Denn das klingt grade so, als wenn Jemand auf einem Schiff eine Reise in ein fernes Land machen möchte; auf dem Schiff aber hat er sich solche Verbrechen zu Schulden kommen lassen, daß man nach Untersuchung seiner Sache und nach gerechtem Urtheilsspruch ihn über Bord wirft. Aber siehe da, indem er ins Meer geworfen wird, und er sich noch einmal über dem Wasser sieht, findet er einen Splitter Holz oder einen Strohhalm, den ergreift er und freut sich nun königlich, diesen Hoffnungsgrund zu haben. Mit andern Worten, wer keine Liebe zur Wahrheit hat, und daher der Wahrheit nicht glaubt, muß der Lüge glauben. So traurig auch das Bild ist, das sich dem Vers, beim Blick auf die Menschheit darstellt — man vergesse nicht, daß der Vers, hier im ersten Theil „die Menschheit" im Allgemeinen und also besonders alle Nichtisraeliten im Auge hat und von diesen handelt — so empfindet er doch in seinem Herzen eine solche zärtliche Sympathie für uns und alle Völker, daß er aufs nachdrücklichste ermahnt, doch ja sein säuberlich mit der Menschheit zu verfahren, und dem „Egoismus, der Heuchelei" u. s. w. nicht etwa zu nahe zu treten, ganz so, wie es die falschen Propheten in der früheren Zeit trieben, die auch sagten: Friede, Friede, so doch kein Friede war, die den Leuten Kiffen machten unter die Arme und Pfühle zu den Häuptern, daß sie ihre Sünden gering achten möchten, und das Volk in seinen Sünden trösteten. Hes. 13. Die etwa noch klagen möchten über den gegenwärtigen Verfall, den der Vers, doch selbst schildert, bringt er mit dem gewichtigen Ruf zur Raison und zum Schweigen: „Was wisset Ihr?" Freilich, ein Doctor, der seinen Gott in einem Nu aus seiner Unendlichkeit in die Einheit bringt und begreift, der kann so