Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 8-9 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554677-2554683--02727-2558606- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
129 fall; Stumpfheit, Egoismus, Verhöhnung von Vernunft und Gefühl, Rechtsverdrehung, Käuflichkeit, Heuchelei neben bodenloser Sittenlosigkeit scheinen in solcher Zeit an die Stelle alles StrebenS, aller Aufopferung für das Große, Schöne und Wahre, für das Göttliche zu treten; der Lurus und die sinnlichen und weltlichen Bedürfnisse erheben sich zu nie gekanntem Maße, und deren Befriedigung ist der Abgrund, in den alle Höhen und Gipfel des Menschlichen niedersinken und verschwinden.... Ach, und das ist ja die unendlichste Trostlosigkeit — ich kann an mir, an meinem Volke, an meiner Zeit verzweifeln — aber das Greisenalter der Menschheit, das Absterben des Göttlichen in ihr gekommen zu glauben — das ist unsäglich und treibet ins Verderben...." Wir wollen bei diesem Wortschwall nur Eins bemerken. Die Schilderung, die der Verf. von der Menschheit giebt, ist doch gewiß keine erfreuliche und liebliche. Es fragt sich, ist sie wahr oder nicht? ist sie übertrieben oder nicht? Ist sie nicht der Wahrheit gemäß und also Lüge, so bedarf es weiter keines Wortes, was der Verf. selber ist; ist aber die Darstellung wahr, wie wir denn dem Verf. beistimmen und leider beistimmen müssen, da der Blick auf die Menschheit das Gesagte bestätigt: so fragen wir, ob denn der Verf. so gar kein Gewissen mehr im Leibe hat, und er sich nicht der Gotteslästerung fürchtet? Er hat indem Vorhergehenden gesagt, daß „Gott diese Menschcnwelt so geschaffen, was aus ihr geworden, sie ist es durch ihn und unter seiner Leitung". Alle Sünden und Greuel also, die in der Menschheit Vorkommen, alle Gottlosigkeit, sie mag Namen haben, wie sie wolle, hat Gott zu ihrem Urheber. Solche Lehren halten wir auf Grund der heiligen Schrift für gotteslästerlichen Sauerteig. — Als Gott der Herr die Schöpfung vollendet hatte, und die Werke ansah, die er gemacht hatte, bezeugte er, daß sie gut, sehr gut seien. Später aber finden wir, daß Gott etwas Anderes in der Welt und in der Menschheit sah; da sah der Herr, daß der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse immerdar. Von dieser gewaltigen Veränderung, die zwischen den beiden Zeitpunkten, da Gott sah, daß Alles sehr gut war und dem, da alles Fleisch seinen Weg ver- 9