Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 8-9 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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138 durch die Jahrtausende leitete, von weitem es aNspann und zu immer neuen Zielen führte — was aus der Menschheit geworden, sie ist eS durch ihn und unter seiner Leitung." Was enthalten diese Worte? ist das Lauterkeit und Wahrheit, wie sie in dem Peßachworte eineS Rabbiners in Israel enthalten sein soll, der sich nicht mit Sauerteig beschäftigen will? Er sagt hier klar und deutlich, daß „Gott den Menschen mit diesen Leidenschaften und Begierden geschaffen hat", wie er jetzt ist. Hier können wir doch nicht annehmen, daß der Vers, sich nur aus Unachtsamkeit einen Schnitzer habe zu Schulden kommen lassen, wie oben, wo er nachdem für bevor angesehen und gehalten hat; sondern hier leugnet er gradezu mehrere biblische Lehren, die doch klar und deutlich in den Schriften des Alt. Test, enthalten sind, nämlich von der ursprünglicheil Sündlosigkeit des Menschen und von seinem späteren Fall; er leugnet die Lehre von der Verführung des Menschen durch die Schlange, und damit wohl ohne Zweifel auch die Lehre vom Teufel; dagegen trägt er kein Bedenken, das Böse in der Welt auf Gott zu schieben und ihn zum Urheber und Schöpfer der Sünde und aller „Leidenschaften und Begierden" zu machen. Damit hat er aber nicht nur einen argen Sauerteig der Lehre in seinem Peßachwort niedergelegt, sondern auch den Sauerteig pharisäischer Heuchelei, denn als Jude und noch dazu als jüdischer Rabbiner will und muß er doch in dem jüdischen Glaubensbekenntnisse stehen; dieses Bekenntniß aber sagt in seinem 6. Artikel: „Ich glaube aufrichtig und mit wahrer Ueberzeugung, daß alle Worte der Propheten wahr sind." Der Vers, fährt in seinem Peßachwort fort: „Da heißt es nun oft genug: es ist Winter geworden in der Menschheit! Da geht durch die Menschheit ein Gefühl, eine Ahnung, eine Sage: daß die Menschheit altere, daß es abwärts mit ihr gehe, mit ihrer Kraft, mit ihrer Bildung, mit ihrem Streben, daß die Früchte an ihrem Stamm allzu reif geworden, bis sie schon modern, daß ihre Säfte stocken und die Zellen sich schließen. Und es ist wahr, ein rauher Herbstwind fährt da über die Fluren der Menschheit; was die Jahrhunderte im Schweiße der Edlen angebauet und errungen, scheint abgestanden, zum Weg-