Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 8-9 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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123 Geschichte" und von einem „Gott der Natur" redet? Sind diese drei Ein und derselbe Gott? Nun wohl, wir Christen sagen auch nicht, daß Gott Vater, Sohn und Geist drei Götter seien, sondern es ist Ein Gott. Mag der Vers, versuchen uns seinen „Gott der Lehre, der Geschichte und der Natur" aus der Bibel zu zeigen; wir wollen nicht ermangeln, ihm die klaren Zeugnisse des Gotteswortes vorzuhalten, auf Grund welcher wir glauben, daß Gott dreieinig sei. — Der Vers, folgert seine Lehre von seiner Theorie der jüdischen Feste; diese Theorie ist aber, wie wir gesehen haben, auf rabbinischen Sand gebaut. Denn wenn auch dem Peßach die Geschichte des Auszuges aus Aegypten zu Grunde liegt, so ist doch bei Schebuoth kein Wort von einem Fest der Gesetzgebung gesagt, und somit würde „der Gott der Lehre" ohne Weiteres wegfallen, mit den Festen wenigstens nichts mehr zu thun haben. — Was der Vers, damit sagen will, daß Israel „Gott vermittelst der Lehre anbete", ist uns zu hoch oder zu tief, wir können ihm soweit nicht folgen; und eö dürfte wohl Vielen so gehen. Ein Mann, der mit seiner „Vernunft sogar seinen Gott begreift," der kann natürlich in alle Höhen und Tiefen steigen, was Andere noch hübsch bleiben lassen müssen. Nun ist es freilich die Frage, ob der Gott des Vers, ein so kleines Wesen ist, daß ihn jeder Mensch mit seinen fünf Sinnen fassen und „begreifen" kann, oder ob nur des Verf. Vernunft so groß ist, daß er allein unter allen Sterblichen es vermag. Aber ist denn das nicht greulicher, rationalistischer Sauerteig, mit dem der Verf. sich hier in der Peßachwoche beschäftigt, daß er wähnt, mit seiner Vernunft den Gott in der Natur zu begreifen? In der Bibel ist uns wenigstens kein Beispiel bekannt, daß irgend ein Prophet oder sonst ein Mann Gottes so in die Tiefen der Gottheit cingedrungen wäre, daß er Gott begriffen hätte. Mit Mose redete Gott von Angesicht zu Angesicht, wie ein Freund mit dem andern; David war ein Mann nach dem Herzen Gottes; Salomo empfing große Weisheit von Gott, daß seines gleichen vor ihm nicht gewesen war, noch nach ihm sein sollte, er kannte auch die Natur; aber von keinem finden wir einen Gedanken, daß sie sich eingebildet hätten, Gott zu begreifen, wie der Verf. des Peßachworteö. Freilich waren diese