Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 8-9 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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117 meinem Elende, zu einem bloßen Menschenwort gemacht, und richtet damit ein viel größeres Verderben an, als die frühem grausamen Verfolger Israels. Dieser Feind ist der Unglaube, der leider auch von uns Christen hervorgegangen ist. — Wohl wissen wir, daß der Talmrid und die ganze rabbinische Literatur dieselbe Tendenz hat, und daß in dieser Literatur die Schriften und Worte der Menschen dem Worte Gottes nicht nur gleich gehalten, sondern noch über dasselbe gestellt werden; aber doch blieb ihnen die Bibel, wenn auch nur neben dem sogenannten mündlichen Gesetz, immer eine göttliche Offenbarung. Der crasse Unglaube aber in der Christenheit, der sich seit einer langen Reihe von Jahren in Schriften und Reden, auf Kanzeln und Kathedern, auf hohen und nieder» Schulen so breit gemacht hat, ist nicht unter der christlichen Bevölkerung geblieben, sondern hat sich auch des Volkes Israels bemächtigt, ist zunächst wohl von seinen Führern und Leitern begierig und mit Wohlgefallen verschlungen und dann von ihnen in Synagogen und Schulen, in ihren Schriften und Reden unter ihrem eigenen Volk weiter verbreitet worden. Da spricht man auf sogenannter christlicher Seite von Emancipation der Juden, schiebt alle Religionsunterschiede bei Seite, betrachtet Jedermann bloß als Menschen, als Welt« und Staatsbürger, will dann auch dem Scheine nach gar nichts von eigenen christlichen Vorrechten und Privilegien wissen; man giebt so viel Liebe für die früher so verachteten Juden vor, als sei das Herz voll von warmem, brennendem Mitleid; man stellt sich als ihr bester Freund und Bruder, geht Hand in Hand mit ihnen, um jeden Rest von Gottesfurcht und Achtung vor Gottes Wort vollends zu vernichten. Dabei ist man aber im tiefsten Herzensgründe ein abgesagter und geschworner Feind Israels. Diese ungläubige und darum gottlose, seelenverderbliche Gesinnung hat leider unter Israel bereits in ziemlichweiten Kreisen tiefe Wurzel geschlagen und wuchert auf jüdischem Boden so üppig, daß man nur mit Verwunderung, Staunen und Entsetzen sie wahrnehmen und beobachten kann. Es ist in Folge dieses Unglaubens ein Judenthum vorhanden, das auf der einen Seite gegen Bibel und Talmud und Chriflenthum ankämpft, aus Bibel und Talmud