Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 8-9 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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116 was unsere heutigen Juden für Feindschaft gegen sie ausgeben, wirklich solche ist, und daß ein Versagen und Verweigern gewisser Vorrechte und Privilegien noch keine Unduldsamkeit und Verfolgung ist, wie man von jüdischer Seite dies so gern darstcllen möchte. Hätten die Juden in frühem Jahrhunderten keine andere Unduldsamkeit und Feindschaft erfahren, als die ist, über welche die genannte Judenzeitung so oft Zetergeschrei erhebt, es würde wahrlich keinem Juden eingefallen sein, sich über Verfolgung zu beschweren. Würden Juden und Christen in der Türkei heute so gestellt sein, wie die ersteren in Deutschland, England, Frankreich es sind, sie würden sich wahrlich glücklich preisen, und es wäre nur schnöder Undank und Leichtsinn, dann noch Klagen zu führen. Es ist aber in diesem Jahrhundert ein anderer Feind aufgestanden, der viel gefährlicher und verderblicher auf Israel wirkt, als die grausamsten Verfolgungen früherer Jahrhunderte. Jene Grausamkeiten berührten den Leib und die irdischen, zeitlichen Verhältnisse, man beraubte das arme Volk seiner leiblichen Freiheit, nahm ihnen das leibliche Leben; aber ein so verfolgter und gemißhandelter Israelit konnte sich noch in dem Gesetz und in dem Wort seines Gottes Trost holen; denn dieses Wort galt ihm noch für Gottes Wort; er hatte in seinem großen Elende doch noch eine Trostquelle, aus der er schöpfen konnte, wie Gaussen ein Beispiel aus der neuern Zeit von einem orthodoren Juden erzählt, den ein Kind eines Edelmannes anschrie: „Verdammter Jude, du bist ein verdammter Jude," und ihn dabei zugleich anspie. Der Jude sagt; „Zuerst wollte ich mich bei seinen Eltern beschweren, aben als ich gegen die Thüre ging, um sie zu öffnen, fielen mir Davids Worte ein, als Simei ihm fluchte; ich stand stille und nahm diese Beschimpfung als eine Züchtigung Gottes über unsere Sünden an; jedoch meine Seele war zermalmt, ich weinte vor meinem Gott und bat um Vergebung für mich." Aber der Feind, den wir meinen, nimmt dem armen Juden diesen Trost, und beraubt ihn des allerthenersten und kostbarsten Schatzes, denn dieser Feind hat ihm das Wort Gottes, von dem das alte Israel bekannte: Wenn dein Gesetz nicht wäre mein Trost , gewesen, so wäre ich vergangen in