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Dibre Emeth · 1857-01-01 · 6-7 (1857) · page 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
13 (1857)
Issue
6-7 (1857)
Date
1857-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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110 dar die Vortrefflichkeit der christlichen Religion, die Weisheit, die sie erfand, die Liebe, die sie zu Stande brachte, und die Wohlthaten, die aus derselben uns zu Theil werden. Wiewohl diese Sprache ihnen alle Hoffnung abschnitt, die sie auf ihre Selbstgerechtigkeit bauen, und alles Vertrauen auf ihr eitles und vermeintes Verdienst: so äußerte doch Niemand irgend eine Mißbilligung. Sie fühlten die Wahrheit meiner Worte und ihre eigenen Herzen mußten bekennen, daß ihre Sünde sie aus ihrem Lande vertrieben, von ihrem Gott entfremdet und sie in all das Leiden gestürzt, das so lange ihr Theil ist. Und diese großen Thatsachen gingen nicht bloß in ihren Kopf und Verstand, sondern, wie ich deutlich merken konnte, auch in ihr Herz und Gewissen. Des Abends versammelten sich über dreißig Personen, mit ihrem Chacham an der Spitze, in meiner Stube. Es war ein rührender Anblick, diese armen verlassenen Opfer muhamedanischer Unduldsamkeit um ein schwaches, dunkles Licht zusammengekauert zu sehen, wie sie entweder das Neue Testament lasen oder dem Missionar zuhörten. Sie richteten mancherlei und zum Theil wichtige Fragen an mich, wie z. B. ob diejenigen, die nie von Christo gehört hätten, des Unglaubens für schuldig erklärt werden könnten? ob die Bibel die einzige Offenbarung von Gott sei? und ob ein frommes Leben uns Vergebung der Sünden gewähren könne? Wir waren bis Mitternacht zusammen und auch selbst dann blieben Einige noch im Zimmer, und eingehüllt in ihren Talith oder das Kleid mit den Zizith") schliefen sie ruhig, bis der Synagogendiener sie zum Gebet rief. Safon, das etwa fünfzig jüdische Familien zählt, steht unter der mächtigen Regierung des Scheikh Dai. Die Juden, die unter der Botmäßigkeit dieses Häuptlings stehen, dessen Macht sich über den ganzen Harraß-Berg erstreckt, sind sehr zahlreich, und ihre Lage ist, im Vergleich zu der ihrer Brüder in der Provinz Sana«, erträglich und angenehm. Sie bewohnen überall ein besonderes Viertel oder Dorf, wo sie ungestört ihren Handel oder sonstige Berufsge- *) In Jemen ist der Talith oder das Kleid mit den Quasten in Form eines Shawls gemacht, der bei kaltem Wetter am Tage über die Schultern gelegt wird, und des Nachts als eine Decke dient.

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