Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 6-7 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2554541-2554677-2554682--02708-2558586- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
J schäfte treiben. Die Mehrzahl derselben ist arm, und die Wenigen, : die, wie mein Wirth, etwas Vermögen besitzen, wagen es nicht, durch frühere bittere Erfahrungen gewarnt, in ihrem Hausstande - oder Anzuge sich einige Bequemlichkeiten zu erlauben, aus Furcht,! sie möchten die Habgier ihres Herrn erregen und sich grausamen z Erpressungen aussetzen. I'S Meine Bekannten in Safon billigten es durchaus nicht, daß ich allein mit einem Muhamedaner über das Gebirge reise, und auf ihren Rath miethete ich Eliyahu, einen schlauen und entschlossenen Juden, der den Weg genau kannte, und der, wie er mir in echter arabischer Sprache die Versicherung gab, bereit war, sein Blut zu meiner Vertheidigung zu vergießen. Auch schloffen sich zwei Jünglinge aus Sana« an uns an, so daß ich nun vier Reisegefährten hatte. I Der Morgen war frisch und kühl und ein paar leichte, wollige Wol- J ken, die über die Berge herabhingen, zeigten an, daß wir einen Tag 1 wenigstens keine brennende Sonnenhitze haben würden. Unser Weg führte uns, wie den Tag zuvor, auf und nieder über schwindlige Berge, wo ein falscher Tritt oder das Abbrechen eines Steins den unglücklichen Wanderer in einen unermeßlichen Abgrund gestürzt hätte. Meine Kleidung, die aus einem groben Kittel und einem Muslin-Turban bestand, machte mir das Gehen leicht, wiewohl sie mich zu gleicher Zeit den heißen Sonnenstrahlen, die der Wolken spotteten, um so mehr aussetzte. Meine Füße aber litten am meisten, denn da ich baarfuß gehen mußte, so waren dieselben ‘ von den scharfen Felsen und dornigen Sträuchern bald über 4 und über verwundet und zerrissen. Ich hatte Schuhe und San- « dalen bei mir, aber die ersteren würden den Verdacht erregt | haben, wie meine Begleiter versicherten, ich sei ein Türke und ein J Türke ist ein gesetzmäßiger Raub für einen jeden Bergbewohner; die j Sandalen aber waren so ungeschickt gemacht, daß sie mir selbst auf J ebenem Wege die Zehen durchschnitten. Wir kamen bei zahlreichen § Haufen bewaffneter Beduinen vorbei, die ich stets mit „Salaam | Alcikoum“ begrüßte, worauf sie erwiederten: „Salaam ya Dervish.44 Einige Punkte, wo wir vorüber kamen, waren großartig und überraschend, aber wer kann die Schönheiten der Natur bewundern, wenn man sie mit Augen ansieht, die von Mühe und Beschwerde verdunkelt sind? Für mich hatte Alles seinen Reiz verloren, nur nicht das Bächlein, das sich in die felsigen Abgründe hinunterstürzte und meiner ausgedorrten und fieberhaften Zunge manchen