Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 6-7 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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94 nicht Alles, was wir haben? Könnte Er nicht von Allem, was wir haben, sagen: „das ist mein?" Erkennen wir es nicht auch, daß Alles Sein ist, und daß wir nur Haushalter darüber sind? Und doch glauben wir die Freiheit zu haben, uns auf immer von demselben zu trennen, insoweit wir dabei betheiligt sind. Wir glauben die Freiheit zu haben, jedes Eigenthum zu veräußern, dessen Besitz uns, als Haushaltern Gottes, zeitweilig anvertraut ist. Warum war das bei den Juden nicht der Fall? Als der Herr sprach: „das Land ist mein," sprach Er es da nicht deswegen, damit die Juden daran erinnert würden, daß sie noch nicht im vollen Besitze des verheißenen Erbes sind? Es war ihr Erbe; sie waren am Orte; sie waren au der Stelle; sie hatten es in gewissem Sinne im Besitze, und doch in einem andern Sinne wiederum nicht; und doch war eö des Herrn; und doch behielt es der Herr in der Hand — hielt es in Verwahrung für sein Volk. Er hatte es ihnen nicht schlechthin gegeben, sondern gesagt, daß Eres ihnen geben wolle. Sie waren nur im halben Besitze; und um sie beständig daran zu erinnern, daß die Zeit noch nicht gekommen sei, wo das Land im vollsten Sinne ihr Eigenthum sein werde, durfte Niemand auch nur einen Morgen davon auf immer verkaufen. Jeder, der Land kaufte, mußte es beim Eintritt des Jubeljahres wieder zurückgeben; er konnte es nicht länger behalten. Das Land gehörte dem Herrn, es war noch nicht ihr eigen. Auf der andern Seite erhielt Jeder sein Besitzthum, dessen er sich eine Zeitlang entsagt hatte, wieder zurück, wenn das Jubeljahr kam. Und wie die erste Bestimmung, nach welcher Jeder gezwungen wurde, das erworbene Besitzthum wieder zurückzugeben, die Juden daran erinnerte, daß das Land nicht das ihrige sei, so erinnerte die zweite, nach welcher ein Jeder sein Besitzthum zurückerhalten mußte, sie daran, daß die Zeit kommen werde, wo das Land ihr eigen sein würbe, und sie endlich in vollen Besitz gesetzt werden sollten. Wir stellen nun Beides zusammen: Jeder Sclave muß freigegeben werden, jedes Stück Land muß seinem ursprünglichen Eigenthümer zurückerstattet werden; wir stellen diese beiden Dinge in ein prophetisches Bild zusammen, und wir erblicken in dem Jubeljahre den Herrn der Heerschaaren, wie Er sein zerstreutes Volk aus allen