Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 4-5 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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65 „Beten Sie, wie Sie sich vom Geiste getrieben fühlen, und ich werde Ihnen mit meinem Gebete folgen". Als nun mein theurer Freund seine todeökalten Hände im Gebet erhob, konnte ich dem Herrn danken für Alles, was er an seinem lreuen Knecht gerhan und um seine volle Zubereitung zum Eingänge in die ewige Freude beten, nach dem Reichthume seiner freien Gnade in dem Blute der Versöhnung, und daß er, wenn nun seine Stunde gekommen wäre, den Heiland mit dem Rufe einer nach ihm durstenden Seele empfangen möge: Amen; ja komm Herr Jesu! Und siehe, er kam, noch ehe ein neuer Tag kam, löste die letzten Bande sanft und friedlich, und ließ seinen Knecht seine eigenen letzten Worte erfahren, die er am 28. Sonntage »ach Trinitatis, vierzehn Tage vor seinem eigenen Ende in der Kirche auf dem Berge Zion gesprochen hatte: Dann werden wir ihm gleich sein, denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Ich kann wohl sagen, daß ganz Jerusalem bewegt war bei der Nachricht von dem Tode dessen, der so lange auf den Mauern Zions gearbeitet hatte. In allen Conventen zeigte sich ein besonderes Interesse, und selbst unter der muhamedanischen Bevölkerung der Stadt. Jedermann kannte ihn als einen, der dreißig Jahre unter ihnen aus- und eingegangen war. Wer hätte ihn nicht geachtet als einen, dessen Wandel und Leben so getreulich von Jesu Christo dem Gekreuzigten gezeugt hatte? Ihr vom Hause Israel, beklaget schmerzlich seinen Verlust, wie es euch geziemt; denn der euch verlassen hat, liebte euch mit einer treuen Liebe. Welcher Forscher unter euch wäre je von ihm weggegangen, ohne aus dem reichen Schatz seiner Belehrung die gesundeste Antwort aus seine Fragen zu-bekommen, oder ohne von ihm die beste Hilfe und den besten Rath zu erhalten, den er nur geben konnte? Es kann nur eine Meinung sein, daß wir Alle in dem Dahinscheiden dieses unsers hochbegabten Freundes und Bruders einen großen Verlust erlitten haben, der aber für die am größten ist, die ihm am nächsten standen, denn nur ihnen wurde der innere Reich- - thum seines Gemüthes völlig erschlossen. Gott allein sei alle Ehre, daß wir mit solcher Zuversicht bei seinem Grabe sprechen konnten: 5