Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 4-5 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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64 so viel als möglich zu beruhigen und seine Gedanken von allen irdischen auf himmlische Dinge zu lenken, denn ich merkte schon den Willen des Herrn, daß er seinen Knecht bald vollenden werbe. Noch am Abend desselben Freitags, an welchem sich einige Besserung zeigte, traten die bedenklichen Symptome einer Todeskälte der Hände ein, die ihn später nicht verließ. Sonnabend darauf jedoch fühlte er sich ziemlich stark und hatte guten Appetits aber schon am Sonntage, während ich ihm einige Dienstleistungen, wie gewöhnlich, erwies, bemerkte ich eine wesentliche Veränderung, und die Stunde schien mir nun gekommen zu sein, wo ich den theuren Kranken auf eine bestimmtere Weise als bisher, auf sein nahes Ende vorbereiten sollte. Ich hatte ihm täglich die Schriststellen aus den Losungen der Brüdergemeinde vorgelesen, die ihm sehr gefielen. An diesem Tage, dem Sv. Sonntage nach Trinitatis, war die Lösung: „Bis hieher hat der Herr geholfen", und der Lehrtert: ,^Selig sind, die nicht sehen und doch glauben". Ich fragte ihn, ob diese Worte nicht eine besondere Anwendung auf ihn haben möchten, und ob er in dieser Hinsicht zu den Worten: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben, hinzusetzen könne: Selig sind, denen die Gnade zu Theil wird, vom Glauben zum Schauen zu gelangen. Vielleicht ist, lieber Bruder, diese Veränderung schon sehr nahe; wie voll ist meine Seele von freudigem Dank für Dich, ja, selig sind, die zum Abendmahle des Lammes berufen sind. Auch fragte ich ihn, ob wir um ein fröhliches und seliges Ende bitten wollten? Der Kranke gedachte hier zärtlich seiner Frau, die in diesem Falle zurückbleiben würde und fragte mich, ob gewisse Zeichen seines Abscheidens vorhanden wären? Ich entgegnete, daß wir freilich Alle irren, aber daß ich glaube', der Herr klopfe an die Thüre. Darauf sagte der liebe Bruder, die Hauptsache, um die wir zu beten hätten, sei ein aufrichtiges, demüthiges Herz, das seine Schuld tief fühlt und mit lebendigem Glauben das Verdienst des Erlösers ergreift. Ich stimmte herzlich mit ihm überein und er fügte hinzu, daß er sich in die Worte begebe: Herr, wie Du willst, Dein Wille geschehe! Dann sah er mich lange an und indem er die Freude in meinen Augen bemerkte, die ich wegen seiner nahen Erlösung empfand, sagte er: