Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 4-5 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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61 Abreise, war ich, zwischen dem englischen und deutschen Gottesdienste, bei ihm zu Tische, und nach dem Essen saß ich bei ihm in seinem kleinen Garten. Mit ungewöhnlicher Freiheit und Ernst sprach er über die verschiedenen Gestalten des Unglaubens in unfern Tagen, von der niedrigsten Stufe desselben bis zu dem Punkte, wo er den Schein der Gottseligkeit annimmt, aber die Kraft nicht hat. Ich nahm bei dieser Gelegenheit etwas Ungewöhnliches in seinem Wesen wahr, was ich eher dem Umstande zugeschrieben hatte, daß er sich wohler und daher froher fühlte, als daß ich es für die trügerische Annäherung seines Todes gehalten hätte. Montags ging er an seine gewöhnliche Arbeit, die in der That noch gar nicht unterbrochen worden war, und ich trug kein Bedenken, Dienstag, wie verabredet war, nach Hebron zu gehen. Bei meiner Rückkehr fand ich ihn im Bett. Ich überlasse es vr. Macgowan, den Verlauf des Fiebers, dem er erlag, zu beschreiben. Ich bemerke nur, daß ich nie einen Fall sah, in welchem die Krankheit so gänzlich alles das gewesen wäre, was traurig und schmerzlich anzusehen ist. Er klagte nie über Schmerzen, sondern schien im Gegentheil voll zu sein von Bewunderung der Barmherzigkeit, die ihn umgab; und eben so voll von Mitleid mit denen, die, wie er sagte, dasselbe leiden möchten, ohne denselben Trost zu genießen. Sein Herz war voll von Liebe und Freundlichkeit zu allen Menschen, das drückte sich in seinen Worten und in seinen Blicken aus, und wird von denen, die ihn sahen, nicht so leicht vergessen werden. Wenn Jemand aufstand, um wegzugehen und etwa sagte: ich fürchte, ihn durch mein Sprechen zu ermüden, so pflegte er zu antworten: Wenn Sie Zeit haben, so wäre es mir lieb, daß. Sie sitzen blieben, damit ich Sie ansehen kann. Am Sonntage, dem Tage vor seinem Heimgange, ging ich, nachdem ich der Gemeine das heil. Abendmahl gereicht, zu ihm, erzählte ihm von dem, was wir in der Kirche gethan hätten und fügte meinen Wunsch hinzu, wenn er doch hätte unter uns sein können. Darauf sagte er: „Ich wußte wohl, wie Ihr beschäftigt wäret, aber ich konnte nicht kommen, der Herr war mir jedoch sehr gnädig, denn er kam zu mir"; und nach einer kurzen Pause: „In geistlichen Dingen kommt es nicht auf die Oertlichkeit an". Am vorigen Sonntag