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Dibre Emeth · 1857-01-01 · 4-5 (1857) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
13 (1857)
Issue
4-5 (1857)
Date
1857-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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87 Carmona und seine englischen Freunde. Es ist bekannt, daß vor 35 Jahren der reiche Banquier Chaim Carmona in Constantinopel durch die Diener des Sultans in seinem eigenen Hause überfallen und erwürgt wurde, blos um seine ansehnlichen Güter zu confisciren. Leider kam Aehnliches gar oft in der Türkei vor, und die reichen Juden waren nie ihres Lebens sicher. Wir hatten schon früher vernommen, daß der Sohn des ermordeten Carmona 1854 nach London kam, um Beistand zu suchen, damit seine Familie wieder zu ihrem geraubten Vermögen und guten Namen komme. Er wandte sich natürlich an die reichen und angesehenen Juden Londons; als er aber bei denselben wenig Anklang fand, so wandte er sich an angesehene Christen. Zwei derselben verwandten sich besonders eifrig bei der englischen Regierung für ihn, nämlich Sir Culling Eardley und der Graf von Shaftesbury. Der Elftere ist der Enkel eines getauften Israeliten, der Andere Präsident der Londoner Judenmissions- Gesellschaft. Beide angesehene Männer sind als eifrige evangelische Christen bekannt; aber eben deshalb sind sie auch wahre und warme Freunde Israels. Es ist ihnen ein Herzensanliegen, die Erkenntniß Jesu des Messias unter den Israeliten zu verbreiten; allein auch für die leiblichen Nöthen und die Bedrückungen dieses so lange schändlich mißhandelten Volkes haben sie ein Herz und Mitgefühl. Der Familie Carmona ist durch die Verwendung dieser Christen zu ihrem Recht und theilweisen Ersatz ihres geraubten Vermögens verholfen worden, und das ist ein Gegenstand wahrer Freude für Christen aus den Heiden und für gläubige Söhne Abrahams, für Judenchristen, die Israels Wohl erflehen. Israels wahre Freunde sind diejenigen, die für seine Bekehrung leben und arbeiten, arbeiten im evangelischen Sinne, das heißt im Geiste der Liebe, und die wohl zu unterscheiden wissen, zwischen der Aufgabe mit den Waffen des Geistes den Jrrthum zu bestreiten, und der blos menschlichen Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft, zwei Dinge, die man leider so oft verwechselt hat.

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