Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 4-5 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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56 und vollzog am 2. September die Taufe an den fünf Kindern. Am folgenden Tage entschlief Herr Baquol. Am 12. September ließ der Friedensrichter die beiden ältesten Kinder vor sich kommen und frug sie nach ihrem Glauben, und ob man sie zur Taufe gezwungen hätte. Dieselben bekannten offen und bestimmt ihren Glauben an Jesum, den wahren Messias. Es wurde nach Wochen ein Vormund gewählt in der Person des Advokaten Honel. Billig wäre es gewesen, daß Herr Honel den Glauben des verstorbenen Vaters geehrt hätte, obgleich er nicht der Seinige ist, sowie das Bekenntniß der Kinder, und hätte sie in der evangelischen Lehre erziehen lassen; allein Herr Honel sagte, als er darüber befragt wurde: er handle mit den Kindern wie er wolle, die Kinder haben keinen Willen. Er hielt auch Wort. Er versuchte Alles, um die Kinder in ihrem Glauben irre zu machen, versuchte Zerstreuungen und Versprechungen, und hinderte entschieden, daß die älteren Kinder dem evangelischen Gottesdienste beiwohnten, was sie begehrt hatten. Das ist in Wahrheit der Verlauf der Sache. Jeder verständige Leser kann und wird selbst entscheiden, auf welcher Seite das Recht ist. So oft hört man die Toleranz rühmen: wir sind nicht von Denen, die einer falschen Toleranz das Wort reden; allein wir fragen: ist das nicht intolerant, wenn man Kinder eines getauften Vaters, die seit Jahren nur christlichen Religions-Unterricht genossen haben, die Christen zu sein begehren, nöthigt jüdisch zu leben, und denen man es unmöglich macht, nach der Ueberzeugung ihres Herzens Gott zu dienen? — Einstweilen möge diese Darstellung genügen; vielleicht kommen wir nochmals später auf die Sache zu sprechen. Das ist uns gewiß, daß wir wohl zu unterscheiden wissen: was einzelne fanatische Juden thun und das, was die vielen billig Denkenden in Israel dazu sagen und davon denken.