Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 4-5 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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54 lassen", so willigte er ein, und die schon festgestellte Taufe unterblieb. Herr Baquol aber litt unaussprechlich in seinem Gemüthe, daß er seinem Vorhaben nicht treu geblieben war. Er sandte seine ältesten Kinder in eine christliche Sonntagsschule und seinen ältesten Sohn in christlichen Religionsunterricht. Als nach einem Jahre seine Frau so erkrankt war, daß sie das Zimmer nicht mehr verlassen konnte, und ihre Taufe aufs Neue verschob, so erklärte Herr Baquol, ohne von irgend Jemand dazu aufgefordert worden zu sein: er könne nicht mehr länger seine Taufe verschieben und bat dringend, ihm dieselbe zu ertheilen, was auch durch Herrn Pfarrer K., einen in Straßburg allgemein geachteten Geistlichen, am 25. Dezember 1854 geschah. Nach derselben pries er Gott, endlich dazu gelangt zu sein, wonach er längst begehrt hatte. Seiner Frau hatte er auch alsbald seine Taufe mitgetheilt; sie sagte: wenn sie wieder gesund sei, so werde sie dasselbe thun, deshalb wartete er auch mit der Taufe seiner fünf Kinder. Es schien, als ob sich Frau Baquol erhole und der Besserung entgegen ginge; allein „es kann vor Abend anders werden, als eö am frühen Morgen ward" — plötzlich starb sie. — Bei ihrer Beerdigung nach jüdischer Sitte soll, so wird berichtet, Herr B. einem jüdischen Gebrauch sich unterzogen haben, nämlich dem der Keriah, des Einschnitts in seinen Rock, und daraus will man beweisen, daß seine Bekehrung eine zweifelhafte gewesen sei. Zugegeben: er habe diesen jüdischen Gebrauch mitgemacht, so spricht dies durchaus nicht gegen die Aufrichtigkeit seiner Bekehrung; denn wir zum Messias bekehrten Söhne Abrahams sind durchaus nicht genöthigt, so manchen schönen Gebrauch unserer Erzväter aufzugeben, wenn nur derselbe nicht dem Evangelium und ded Lehre des Heils zuwider ist, oder wir dadurch das Bekenntniß zu dem Messias zu verheimlichen suchen.. Viele Jahre lebte in Warschau ein ehrwürdiger Israelit, der täglich seinen Glauben an den Messias vor den Juden bekannte, er behielt aber seine jüdische polnische Kleidung und seinen langen Bart bei. Da wurde er eines Tages vor die Polizeibehörde geladen und von etlichen talmudischen Juden angeklagt: er sei getauft, ein Christ und kleide sich doch jüdisch. Rabbi