Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 13 (1857)
- Issue
- 2-3 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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45 salem war, hielt vie Predigt. Nach dem Gottesdienst leistete Herr Nicolayson dem Geistlichen, der bei ihm zu Tische war, Gesellschaft. Ich war erstaunt, als ich hörte, daß sich der Kranke so viel erlaubt hatte, was bei aller Gelindigkeit des UebelS doch unklug war, aber es war geschehen ohne mein Wissen. Am neunten Tage verließ ihn das Fieber, und als ich ihn des Morgens sah, schien alle Gefahr vorüber zu sein. Bei meinem zweiten Besuche des Abends aber fand ich, daß eine plötzliche und beunruhigende Veränderung zum Schlimmen eingetreten war. Es hatte sich eine merkwürdige Abnahme der Kraft eingestellt, verbunden mit Kälte und klebrigem Schweiß, wie ich nur bei ernsten und langwierigen Krankheiten oder inneren Geschwüren wahrgenommen habe. Kräftige Nahrungsmittel wurden sogleich verordnet, aber ohne Erfolg; die Kräfte sanken allmälig, die Ert'remitäten wurden eisig kalt. Geistesabwesenheit trat ein, und Montags, den 6. Oktober, früh um 4 Uhr, am zwölften Tage der Krankheit, entschlief unser theurer und geachteter Freund im Frieden und ohne Kampf. Unser Freund, Herr Erawford, der nebst mir Herrn Nico - layson von Zeit zu Zeit während seiner Krankheit besuchte, bemerkte, daß er nie eine ernstliche Krankheit beobachtet hätte, wo der Kranke so wenig körperliche Leiden zu erdulden gehabt hätte. Dieselbe Bemerkung machten alle Freunde, die Zutritt zum Krankenzimmer hatten. Aber weit wichtiger war ein anderer Umstand, den alle Brüder bemerkten, die in dieser Zeit mit ihm Umgang hatten; wir Alle waren erstaunt, wie sich sein Herz in christlicher Liebe erweitert;. Eine gewisse natürliche Zurückgehaltenheit, die bis zu einem gelvissen Grade den freien Ausdruck seiner geistlichen Gefühle und Gesinnungen gehemmt hatte, schien von dem göttlichen Feuer geschmolzen zu sein, das seine Seele erfüllte und in seinem Angesicht leuchtete. Seine Worte, Blicke, Gedanken, Alles athmete Liebe, Dank und Freude. Wiederholentlich dankte er mir für meinen Besuch und drückte meine Hand mit den seinigen. Zu Anfänge seiner Krankheit fragte er mich, ob ich Gefahr besorge. Ich antwortete, daß beim Fieber immer Gefahr sei, denn es gäbe kein Uebel, in welchem die Seele so leicht vom Leibe geschieden werden könne. Bei