Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 12 (1856)
- Issue
- 11-12 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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190 sei» würde, wenn sie hebräisch mit mir sprächen. Hierauf öffnete ein junger Mann ein hebräisches Buch, zeigte mir eine Stelle und bat mich, sie zu lesen und zu erklären. Es war ein rabbinischer Commentar über das Hohelied Salomos, und die Stelle, die er mir zeigte, war der fünfte Vers des ersten Kapitels: „Ich bin schwarz, aber gar lieblich," was der Commentar in folgender Weise erklärt: „Die Gemeinde Israel spricht: ich bin schwarz durch meine Werke, aber ich bin auch lieblich in meinen Werken, ich bin schwarz am rochen Meere, als das Volk gegen Moses murrte, aber ich bin auch lieblich am rochen Meere, denn daselbst sangen Moses und die Kinder Israels dem Herrn ein Lied. Ich bin schwarz am Horeb, denn am Horeb machten sie ein Kalb und beugten sich vor einem gegossenen Bilde; aber ich bin auch lieblich am Horeb, denn daselbst sagten sie: Alles, was der Herr gesagt hat, wollen wir thun und gehorchen." In dieser Weise ging es fort. Nachdem ich die Stelle durchgelesen hatte, sagte ich: „Es ist kein Zweifel, daß das heilige Buch vor uns nicht von einer irdischen Liebe redet, daß es vielmehr ein Zwiegespräch ist, zwischen der Gottheit und der Gemeinde der Auserwählten Gottes. Aber kann diese Gemeinde allein das ganze Volk Israel sein? Wenn wir aus die Geschichte Israels sehen und besonders auf die Psalmen und Stellen der Propheten, wo uns diese Geschichte erzählt wird, so finden wir gewöhnlich, daß von Israel als von einem untreuen Weibe gesprochen wird, das von ihrem Manne wegen ihrer Hurerei geschieden ist. Wenn wir aber Weissagungen in den Propheten finden, welche für die Zukunft einen besseren Stand der Dinge verheißen, so stehen sie alle in Verbindung mit dem Neuen Bunde, von welchem der Prophet Jeremias redet, und an diesem Bunde werden die Heiden ebenso Theil haben, wie Israel." Nachdem ich ins Einzelne dieses Gegenstandes eingegangen war und meine Behauptungen mit vielen Stellen aus der Schrift bewiesen hatte, suchte ich die Stelle in Frage zu erklären, indem ich sagte, sie könne vielmehr bedeuten: „ich bin schwarz durch meine Werke, aber ich bin lieblich in meinem Glauben; ich bin schwarz in meiner natürlichen Gottlosigkeit, aber ich bin lieblich in meiner erlangten Heiligkeit; ich bin