Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 12 (1856)
- Issue
- 11-12 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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182 med besonders dadurch, daß er selbst zugiebt, unser Herr Jesus sei der Messias, sich als Betrüger erweist, da der Messias — und nicht irgend ein Prophet nach ihm — das Siegel und der Erfüller der Propheten sei. Als ich im Begriff war die Karawane am dritten Tage zu verlassen, um nach Kara Dagh zu gehen (die Uebrigen gingen auf dem geraden Wege nach Solymaniah) sagte er zu mir: „Lange schon ist unter uns die Sage gewesen, daß am Ende das Gesetz Jesu über den Islam siegen wird, und ich meine, diese Zeit nahet mit schnellem Schritte herbei. Nicht allein daß Ihr Christen täglich mächtiger und kühner werdet, sondern wir werden schwächer sowohl an Glauben, als an Macht. Es gab eine Zeit, wo Sie nicht den zehnten Theil von dem hätten sagen dürfen, was Sie gesprochen haben, ohne auf der Stelle wegen einer Gotteslästerung getödtet worden zu sein — denn das ist uns im Koran nicht nur erlaubt, sondern sogar geboten; nun aber haben Sie — Ein Christ unter mehr als fünfzig Moslems — nicht allein ohne Hinderung gegen unsere Schrift und unfern Propheten gesprochen, sondern diese jungen Leute scheinen sogar mit Vergnügen und Billigung Ihrer Argumente zugehört zu haben. Alles steht in Gottes Händen! Gott ist groß! Es giebt keinen andern Gott, als Gott." Hiemit gab er dem Pferde die Sporen, und sehr bald bezeichnete nichts als eine dünne Staubwolke ihre Spur. Indem ich dem Herrn für seinen Schutz unter diesem wilden Volke dankte, wie auch für die mir dargebotene Gelegenheit, den betrogenen Nachfolgern des falschen Propheten das Evangelium zu verkündigen, zog ich mit einer kleinen Parthei einen Bergpfad weiter auf Kara Dagh zu, welches wir auch nach vielem ermüdenden Auf- und Absteigen — denn unser Maulthiertreiber verlor den Weg — gegen Mittag erreichten. Ich hatte kaum eine Wohnung bekommen, als sie auch von Juden voll wurde, welche Bibeln kaufen wollten. Sie mußten jedoch bis Montag warten, da es heute Sonntag war. Bald kam auch der Oberrabbi Me allem Rahhmim an, von den geschicktesten seiner Schüler begleitet und blieb, mit geringer Unterbrechung während des Abendgebetes, bis spät in die Nacht bei mir. Ich hatte eine ausgezeichnete Gelegenheit, diesem armen unterdrück-