Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 12 (1856)
- Issue
- 11-12 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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168 unzertrennliches Band. Besteht denn nicht schon ein solches VermittelungsbaD? Ist denn noch kein Vermittler, von Gott gesandt, gekommen, um es zu knüpfen? Ist denn kein Messias da gewesen? Auf welchen Messias hofft Ihr denn? Wie denkt Ihr Euch einen Messias? Einen, den Gott durch ein plötzliches Wunder vom Himmel fallen ließe? Was hofft Ihr von Euerm Messias? AlS einen irdischen König denkt Ihr Euch den Messias; er soll Euch in das gelobte Land führen, damit Ihr das auserwählte Volk bleibet. So sind Eure Gedanken nur auf Irdisches gerichtet, während das himmlische Reich Euch fremd ist. Die falschen Propheten, auf die unser Volk von jeher mehr gehört hat, als auf die wahren, dieRabbinen, sie haben alle Eure Begriffe verwirrt, und das Verständniß unseres heiligen Buches, der Bibel, unter unserm Volke vertilgt. So wie sie Euch um die wahre messtanische Idee gebracht, so wie sie Euch im Jrrthum erhalten über den Zweck Eurer Auserwählung, ebenso verdunkeln sie Eure Begriffe über das mosaische Gesetz, das, einst zu heilsamem Zwecke unfern Voreltern gegeben, jetzt durch falsche Deutung zu einer drückenden Bürde geworden ist. Wie steht in der That das heutige Judenthum dem Gesetze gegenüber? So wie die Israeliten glauben, für ewige Zeiten aus allen Völkern auserwählt zu sein, so nehmen sie auch das mosaische Gesetz für ewige Zeiten gegeben an, ohne zu bedenken, in welche verkehrte Lage sie durch diese Annahme gekommen sind. Von einer Seite das strenge Gebot Mosis im fünften Buche Kap. 4, daß „Nichts hinzugethan, noch abgenommen werden soll," — von der andern Seite die Unmöglichkeit des Ortes und der Zeit, Alles zu halten. — Und dann müßt Ihr Euch doch die Frage vorlegen, ob Gott Wohlgefallen finden könne an einer äüßern, kalten Gesetzerfüllung, sich von Geschlecht zu Geschlecht bis in die Ewigkeit forterbend. Niemand von Euch wird solche Behauptung aufstellen können. — Was würde mir ein Brunnen dienen, welcher nicht in sich selbst rein ist, dessen Wasser erst durch äußere Mittel geklärt werden muß? Solcher Brunnen muß von Grund auf gereinigt werden, wenn er taugen soll. — Ebenso unser Herz. — Frei und rein müssen