Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 12 (1856)
- Issue
- 11-12 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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063 Arbeitsamkeit eine gewisse Gemüthsruhe, keinen falschen Schein, sondern ein wahres Verständniß seines Geschäftes. Immer dachte ich über das Sonderbare unseres Zustandes nach, ohne eine Erklär rung desselben finden zu können. So lebte ich in einer gewissen geistigen Unbehaglichkeit. Weltliche Genüsse verschafften mir Zerstreuung, aber keine Herzenszufriedenheit. — Ich wandte mich zur Religion, vermeinend, sie würde mich beruhigen, aber was war von der jüdischen Religion übrig geblieben, als ein strenges Ceremonialgesetz, ohne Trost für ein wundes Herz. Und dennoch wuchs meine Sehnsucht nach Ruhe und Seelenfrieden von Tag zu Tag, und nirgends fand ich einen sichern Stützpunkt. So hin und her geworfen, dachte ich bei mir: „Sollte dir wohl die christliche Religion das gewähren, was du so sehnsuchtsvoll suchst? Du mußt dir doch gestehen, daß die äußere Lage der Christen eine viel glücklichere ist, als die deiner Glaubensgenossen. Woher kommt das? Liegt es vielleicht an der Religion? Ist die christliche Religion vielleicht die bessere? — Aber wie sollte ich die Religion der Christen haben besser finden können, gegen deren Glaubenssätze mir von Jugend an Vorurtheile eingeflößt worden waren? Ich kannte sie ja nur aus den Lehren der Rabbinen. Wie dem auch sei, einen Schritt vorwärts hatte ich gethan; ich hatte angefangen, über Religion im Allgemeinen nachzudenken und gefunden, daß ohne Religion das Leben öde und trostlos ist, ein Spiel des Zufalls. — Fortan konnte ich mich nicht mehr mit den Floskeln der sogenannten Lebensmoral abspeisen lassen, indem ich wahrnahm, daß Alle, welche die Religion der sogenannten Gebildeten predigten, nicht besser daran waren, als ich: jede Andersgestaltung ihres äußeren Verhältnisses machte eine andere Moral nöthig, während ihnen wie mir, die innere Quelle fehlte, aus welcher die ewige Moral entspringt, die für alle Zeiten und für alle Menschen ist. — Die Gleichgültigkeit gegen Religion war also aus meinem Herzen geschwunden, und nun nahm ich an Religionsangelegenhciten einen weit regeren Antheil, als früher. In solchem Scelenzustande befand ich mich, als vor einigen Jahren der Kampf zwischen Katholiken und Protestanten ausbrach. — 11*