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Dibre Emeth · 1856-01-01 · 11-12 (1856) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
12 (1856)
Issue
11-12 (1856)
Date
1856-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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163 So stand ich schon als schwacher Knabe zwischen zwei entgegengesetzten Einflüssen, dem christlichen Rathe meiner Lehrer und dem jüdischen meiner Angehörigen. Doch setzte es meine Mutter durch, daß ich auf ein Gymnasium gebracht wurde. Hier befand ich mich in derselben Lage. Von einer Seite die Zufriedenheit meiner Lehrer und mein immer wachsender Hang zur Wissenschaft: — von der andern Seite die Ansichten meiner dasigen Verwandten, die ebenfalls wollten, daß ich zur Handlung überginge. Obgleich ich allerdings das Studium vorgezogen hätte, so war ich doch durchaus nicht gegen den Kaufmannsstand im Allgemeinen eingenommen, aber von Jugend an den elenden Zustand so vieler jüdischen Kaufleute bei uns zu Hause vor Augen habend, und von der Schule her mehr mit Christen verkehrend, konnte ich mich nicht entschließen, in eine jüdische Handlung zu treten. — In eine christliche Handlung wäre ich gern gegangen, dazu war aber keine Gelegenheit. — Doch zuletzt mußte ich weichen, indem meine Mutter das Wenige nicht mehr aufzubringen vermochte, was ich brauchte, und man brachte mich in ein jüdisches Handlungshaus. — Anfangs konnte ich mich durchaus nicht an Alles gewöhnen, was ich um mich her Vorgehen sah, doch jung und eindrucksfähig wie ich war, lernte ich bald mit dem Strome schwimmen. Nicht, daß ich hier hinter dem Rücken meiner früheren Glaubensgenossen als ihr Ankläger auftreten will, das wäre eine Gemeinheit: — nein, was ich hier sage, das will ich Jedem derselben ins Gesicht sagen, und habe es schon oft genug gesagt. — Uebrigens klage ich ja auch kein Individuum an, nein, das ganze Judenthum befindet sich in einer schiefen Stellung, welcher'sich der Einzelne gar nicht entziehen kann, wie die meisten Juden selbst gestehen. Im Geschästsleben kam ich aus Reisen und auf Messen viel mit christlichen Kaufleuten in Berührung, und hatte noch häufiger, als ftüher, Gelegenheit zu vergleichen zwischen dem jüdischen und christlichen Kaufmannsstande. — Unter den Juden nahm ich das unaufhörliche Streben nach Reichthum und Lurus wahr, und wenn dahin gelangt, doch keinen wahren Genuß, keine Gemüthlichkeit, keine wahre Ruhe: — beim Christen hingegen der Regel nach bei aller

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