Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 12 (1856)
- Issue
- 9-10 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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140 müsse vom heiligen Geiste eingegeben sein, und sei der Leitstern in alle Wahrheit und der Führer auf unsrem Wege zum Himmel. Nach mehrmonatlichen Besuchen endlich schwanden seine Vorurtheile. In einer Nacht, denn ich will nur von meiner letzten Unterredung mit ihm sprechen, wurde ich sehr spät an sein Bett gerufen. Ich war den Tag über sehr beschäftigt gewesen; am frühen Abend war zwar die Meldung eingegangen, ich möchte ihn besuchen, aber ich mußte den Besuch meinem theuren Hilfsprediger übertragen. Dieser aber kam zurück und sagte: Der Mann wünscht nur Sie selbst zu sehen. Es war Mitternacht, als ich mein Zimmer verließ, um zu dem Kranken zu gehen. Ich fand eine reinliche Stube, ein reinliches Bett, und Alles um ihn her zeigte, daß eine gänzliche Veränderung mit dem Manne vorgegangen sei. Seine arme Frau saß da, und aus seinen Blicken konnte ich sehen, daß er nicht lange mehr leben werde. Ich sagte zu ihm: Lassen Sie sich Zeit in dem, was Sie mir zu sagen haben, ich bin bereit nöthigenfalls die ganze Rächt hier zu bleiben. Er hatte offenbar ein Verlangen mir Etwas zu sagen, ich konnte aber natürlich nicht errathen, was es war, und er wollte es nicht sagen. Es schien, als ob es ihm unmöglich wäre, mir zu erzählen, welche Last auf seinem Gemüthe liege. Ich bat seine Frau hinauszugehen, und sie that es; aber es war ihm nicht möglich sein Gewissen zu erleichtern. Ich ließ seine Frau wieder herein kommen, und seine Brust hob sich unter tiefer Bewegung. Endlich sagte er: Ich wünsche — ich wünsche — ich wünsche getauft zu werden! Diese Worte erschütterten mich wie ein Donnerschlag, und ich sagte: Meinen Sie in dem Namen Jesu? Ja wohl. Glauben Sie denn an ihn? Ja ich glaube an ihn. Mein Herz trug Bedenken, und ich dachte, ich will einen Ausdruck gebrauchen, der ihn auf die Probe stellen wird, und sagte also: Was, an den Gekreuzigten, an Jesum Christum, unfern Herrn, der nach der heiligen Schrift für alle Sünder starb? Ja, an diesen, war seine Antwort. Erkennen Sie sich denn auch für einen schuldigen, verlornen Sünder? Seine Antwort war der Ausdruck einer Milde, wie ich nie gesehen habe; es war das Schweigen, das mehr sagt als Worte. Thun Ihnen Ihre Sünden auch leid, mein Freund?'