Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 12 (1856)
- Issue
- 7-8 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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118 Glauben Leben und Seligkeit zu finden ist, so ist es ihr Bemühen dahin zu wirken, daß mit der Hülfe und unter dem Segen Gottes dieser Eine wahre, seligmachende Glaube allen Völkern und Rationen der Erde verkündigt werde, und alle Bewohner der Erde zu diesem Glauben bekehrt werden, ohne jedoch Zwang- und Gewaltsmaßregeln anzuwenden. Die jüdische Misston, weil sie in sich selbst eine Unwahrheit ist, verwickelt sich, wie es gewöhnlich geht, in allerhand Widersprüche. Bald sagt sie, daß Israel allein den rechten Glauben habe, und darum treiben sie Mission, um ihren Glauben auch Andern mitzutheilen; bald aber heißt es wieder, daß Gott einem jeden Volke schon am Schöpfungsmorgen seine Bestimmung gegeben habe; und wenn Gott selbst den Nationen das Gut, was sie besitzen, anvertraut hat, so ist es wiederum ganz in der Ordnung, daß Israel nun auch einen jeden Glauben achtet, und einem Jeden seine Meinung läßt, wie die Allgemeine Zeitung des Judenthums so oft erklärt, und daher auch nicht selten sehr eifrig und feurig über die Zeloten herfällt, die Andere in ihrem Glauben irre machen und ihnen eine andere Ueberzeugung beibringen wollen. Bald reden unsere jüdischen Missionsfreunde von einer solchen Glaubensfreiheit, da ein Jeder „frei am Lebensbaume reifen" solle, wo ein Apfel ruhig und still neben dem andern wächst; bald hört man sie wieder feierlich erklären, daß es „der Beruf ihrer Predigt" sei, „polemisch gegen alles Heidenthum in und unter dem Judenthum, offensiv und defensiv" sogargegen alle „Confessionen" aufzutreten. Bald ist der Zweck ihrer Mission den Monotheismus zu befördern und auszubreiten, bald ist schon die Verbreitung der Civilisation ein glänzendes Commentarstück zu ihrer Sendung; und wer kann die Widersprüche alle zählen, da sie bald für ihre Mission kämpfen und streiten, bald wieder behaupten, Israel habe nie einen Beruf zu misstoniren gehabt; bald sagen, daß Alle, weß Glauben sie auch sind, zu der Unsterblichen Sitzen kommen, bald wieder, daß nur die Frommen der Völker Theil haben am ewigen Leben. So viel ist jedenfalls allein aus den Gesängen über die Sendung Israels klar, abgesehen von anderweitigen Artikeln der Allgemeine Zeitung des Judenthums, daß diese jüdische Mission in großem und auffallendem Widerspruch mit sich selbst ist.