Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 12 (1856)
- Issue
- 7-8 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554669-2554674--02509-2558381- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
m Sinne Israel immer ein Zeugenvolk ist, auch im Laufe ver letzten 1800 Jahre es geblieben ist und bleiben wird, Ihr Dasein an und für sich ist eine so gewaltige Predigt von den traurigen Folgen der Perachtung der Gnade Gottes, wie kein Mensch mit Worten so gewaltig predigen kann. Aber das wiederholen wir, daß Israel in seiner-gegenwärtigen Zerstreuung nicht der in Gnaden verordnest und wohlgefällige Zeuge Gottes an die Menschheit sein kann. Damit meinen wir aber auch nicht, daß die Boten, die Gott an die Menschheit gesandt hat oder sendet, ohne Sünde sein sollten und würden; solche hat es nie gegeben, wird es auch nie geben, aber das sagen wir, sie dürfen nicht solche sein, über die Gott, der gerechte Herr, seinen Zorn ausgegossen hat. Die Propheten waren Sünder und sie geben sich nie und nirgends den Schein einer solchen Unschuld, wie die Misstonsprediger in der Zeitung des Judenthums, denen schon das Wort Sünde und Sünder zuwider ist, die, wenn es hoch kommt, noch von einem Schwanken und Fehlen etwas wissen. Kurz, das Missionsvolk ist nach der poetischen Schilderung ein Ideal alles Guten, somit ein Unding und die ganze Mission eine Unwahrheit. Das ist sie aber auch aus dem Grunde, weil Israel nie und nirgends diese Mission getrieben hat. Die Allgemeine Zeitung des Judenthums hat schon oft genug der christlichen Mission unter den Juden gespottet und oft genug gefragt, „wie viele Judenseelen durch dieselbe den Klauen des Satans entrissen worden sind"; wir zweifeln, ob diese triumphirendcn Spötter der christlichen Mission werden beweisen können, daß sie —die christliche Mission — solche Triumphlieder über ihre Fortschritte angestimmt habe, wie die jüdische Mission. Die Freudenlieder der christlichen Mission sind immer noch mit sehr vielen Klageliedern untermengt; aber das können wir mit freudiger Zuversicht behaupten, daß in Absicht auf die Fortschritte die christliche Mission mit der Mission der Judenzeitung in die Schranken treten und von ganz andern Erfolgen berichten kann! Die christliche Mission ist erst in den letzten HO Jahren zu einem Bewußtsein gekommen, denn bis in den Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts war ja von christlicher Mission überhaupt wenig, und an die Juden noch weniger die Rede; die jüdische Mis-