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Dibre Emeth · 1856-01-01 · 7-8 (1856) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
12 (1856)
Issue
7-8 (1856)
Date
1856-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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103 nichts Anderes denken, als was der Prophet Jesaias darunter versteht, wenn er Jesaias 11, 1V. IS. sagt: Und wird geschehen zu der Zeit, daß die Wurzel Jsai, die da steht zum Panier den Völkern, nach der werden die Heiden fragen, und seine Ruhe wird Ehre sein. Und wird ein Panier unter die Heiden aufwerfen, und zusammen bringen die Verjagten Israels, und die Zerstreuten aus Juda zuhauf führen, von den vier Oertern des Erdreichs. Der Dichter besingt, wie GM in Israel regiert bis auf diesen Tag; nur traurig, daß er wieder kein Wort davon weiß nnd sagt, daß, wenn von Israel „dort brach ein Zweig, hier fiel ein Ast", oder wenn „des Römers blutig Schwert zerstörte Judas Gottesheerd", irgend eine Sünde Israels die Ursache gewesen sei. Von Sünde scheint der Verfasser eben gar nichts zu wissen, nach ihm ist an Israel alles Gerechtigkeit, und wie schon oben gesagt, Israel nur immer ein unschuldiger Märtyrer. So jubelt er auch hier: „Wenn man aus diesem Land uns trieb, in jenem eine Freistatt blieb. — War doch das Erbe mitgezogen, hoch über Berge, über Wogen. Ha! unsers Gottes Lehr und Wort, der Wahrheit und des Sieges Hort!" Ach ein solcher Jubel klingt mehr wie Gespött oder Verzweiflung, , als wie Freude. O hätte Israel das rechte, wahre und große Erbe: „Gottes Lehr und Wort" behalten, wäre das in und mit ihnen gewesen, in ihrem Herzen und Munde, wie schon Moses und Josua es wünschten, sic würden nicht aus einem Lande ins andere vertrieben worden sein, sie würden ruhig und sicher in ihrem eigenen Lande, in diesem „schönen Erbe" gewohnt haben. Denn es ist kein leeres Dichterwort, was der Psalmist fingt, sondern ein untrügliches Gotteswort: Wollte mein Volk mir gehorsam sein, und Israel auf meinem Wege gehen; so wollte ich ihre Feinde bald dämpfen, und meine Hand über ihre Widerwärtigen wenden, und die den Herrn hassen, müßten an ihm fehlen, ihre Zeit aber würde ewiglich währen. Psalm 81, 14—16, Es wäre dann geschehen, wie der Dichter singt: „Doch kein Tyrann, wie er auch rast könnt auf der ganzen Erd uns fassen — ohnmächtig ist an uns das Hassen." Aber was hilft ein solches Dichten nnd Singen,

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